Brief an eine Kollegin aus dem Gewerkschaftsrat

Walter Brinkmann, Vorsitzender des ver.di-Ortsvereins Detmold, hatte sich beim ver.di-Kongress im September (mit anderen Kolleginnen und Kollegen, auf dieser Seite dokumentiert) vehement für den Erhalt des Heinrich-Hansen-Heims eingesetzt. Er hatte eine Kollegin auf dem Kongress mündlich und danach per Mail zu einem Besuch eingeladen, damit sie überprüfen konnte, dass ihre unsäglichen Äüßerungen über Hörste nicht haltbar sind. Hier die Mail von Walter:

„Liebe Kollegin, da Du  erwartungsgemäß auf meine Mail vom 1.10.  dieses Jahres ja nicht geantwortet hast, nehme ich das nahende Jahresende noch einmal zum Anlass, Dir ein paar Zeilen zu schreiben.

Das Heinrich Hansen-Heim in Lage/Hörste schließt nun ohne Not seine Türen und stellt die gewerkschaftliche Bildungsarbeit ein. Wenn ich „ohne Not“ formuliere, ist das auch genau so gemeint – denn vor einigen Wochen gab es mit Vertretern der Bezirksregierung Detmold eine Begehung (im Rahmen eines Kaufbegehrens durch die Stadt Lage für die Unterbringung von Flüchtlingen) des Gebäudes. Die Vertreter waren gut vorbereitet und im Besitz aller erforderlichen Unterlagen und Informationen zum Brandschutz. Während der Begehung wurde der Stand des Brandschutzes ausdrücklich positiv gewürdigt.

Das ist nur ein Beispiel in diesem unglaublichen gewerkschaftlichen Verwirrspiel (Lügenspiel). Du hast Dich mit Deiner Wortäußerung auf dem Bundeskongress nahtlos in diese Reihe eingegliedert und als Totengräber einer gut funktionierenden Bildungsstädte mitgewirkt. Man kann nur ahnen (die Phantasie habe ich schon) mit welchen weiteren qualifizierten Äußerungen Du dich hinter verschlossenen Türen im Gewerkschaftsrat an der Schließungsdebatte aktiv beteiligt hast.

Dass Du mein Angebot, Dich gemeinsam mit mir vor Ort zu treffen, um Deine Kritik vor Ort einem Belastungstest zu unterziehen, bewusst nicht angenommen hast – das besagt alles. Schade, dass so ein Verhalten von hohen Mandatsträgern in unserer Organisation möglich ist und geduldet wird.

Zu Deiner Kenntnis sende ich Dir einen Link zu über den Du Dir den aktuellen Film zu Lage/Hörste ansehen kannst – denn den werdet Ihr euch bestimmt nicht im Gewerkschaftsrat ansehen.“

Video Hörste

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Gelungene Dokumentation über Hörste auf DVD

Gut eine Stunde lang erinnern sich Zeitzeugen an die gewerkschaftliche und politische Bildungsarbeit im Heinrich-Hansen-Haus, die immerhin über 60 Jahre währte, bis ver.di einen Vorwand hatte, die traditionsreiche Bildungsstätte zu schließen. Gewerkschaftsrat und Bundesvorstand setzten sich über gute und tragfähige Argumente hinweg, ließen engagierte Gewerkschaftsmitglieder vor die Wand laufen. Auch das ist Thema auf der DVD. Zu Wort kommt außerdem Heinrich Hollmann, langjähriger stv. Landesvorsitzender der IG Druck und Papier, der Hörste mit aufgebaut hat.

Hörste-DVD

Anschreiben Hörste-Film 01-2016

https://www.nrwision.de/programm/sendungen/ansehen/das-heinrich-hansen-haus-ein-unwiederbringlicher-ort.html

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Ver.di: Vom Kampfstier zum Mastochsen

Als persönliche Konsequenz aus dem Vorgehen von ver.di-Bundesvorstand und ver.di-Gewerkschaftsrat in Bezug auf die Schließung der Bildungsstätte Lage-Hörste entzieht Hans Dölzer, Vorstandsmitglied im Fachbereich Medien, Kunst und Industrie in ver.di Rhein-Neckar den KollegInnen Werneke, Bsirske, Bösch und dem gesamten Bundesvorstand sein Vertrauen (man kann es verstehen). „Er betrachtet diesen Vorstand als Gegner und nicht länger als Kolleginnen und Kollegen“, schreibt er in seiner hier anhängenden „Intrigenchronik“.  In der Konsequenz aus den Vorgängen um die Schließung des Heinrich-Hansen-Hauses will er sich nach fast 40jähriger Mitgliedschaft für die erneute Konstituierung einer unabhängigen Mediengewerkschaft in den Traditionen von IG Druck und Papier und IG Medien einsetzen. Er sieht auch die (schlechtere) Möglichkeit, sich anderen Gewerkschaften wie GEW, IG Metall oder NGG anzuschließen.

Hans Dölzers Gedanken werfen Fragen nach der Zukunft des Fachbereichs 8 in ver.di auf, ein Fachbereich, der als IG Druck und Papier mit einer über 150 Jahre alten Geschichte zu den herausragenden Vorkämpfern für soziale Gerechtigkeit, Bildung, Solidarität und Gleichberechtigung gehört. Ein Fachbereich, von dem offensichtlich andere Fachbereiche etwa hinsichtlich von Streiktaktiken und Umgang mit Mitgliedern eine Menge lernen könnten, wenn sie es denn wollten. Ein Fachbereich, dessen Tradition, Kampfkraft und Erfahrung sich andere Fachbereiche zu Nutze machen sollten. Vor allem, wenn man an den Poststreik, den Kita-Ausstand und den Streik bei Amazon denkt.

Man muss nicht in jedem Punkt Hans‘ Einschätzung teilen, aus der neben kühler Sachlichkeit auch Zorn spricht. Aber seine Gedanken sind es unbedingt wert, gelesen und kommentiert zu werden. Bundesvorstand und Gewerkschaftsrat werden zwar pauschal kritisiert, erfreulicherweise sind sie aber nicht  einer Meinung (im Falle Hörste). Interessant ist Hans Dölzers Formulierung, dass aus dem ehemals vermeintlichen „Kampfstier ver.di“ ein Mastochse geworden sei.

Die Intrigenchronik

Anmerkung: Auf Seite 2 des pdf, 6. Absatz, muss es heißen „Frank Werneke“ (nicht: Frank Bsirske).

 

 

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Angriff auf die Identität des Fachbereichs

Das Sprachrohr, Mitgliederzeitung des Fachbereichs Medien, Kunst und Industrie Berlin-Brandenburg, beschäftigt sich in der Dezember-Ausgabe mit den Druckertagen und der Schließung von Hörste. Von „mühsam gezügelter Wurt“ ist die Rede, von einem „Angriff auf die Identität des Fachbereichs“. Nachvollziehbar wird das auch, wenn man an die Vereinbarung denkt, dass jede Quellgewerkschaft von ver.di mindestens ein eigenes Bildungszentrum behalten sollte. Die ehemalige Gewerkschaft Druck und Papier hat nun keins mehr. Dabei hätten andere Fachbereiche grade in Hörste lernen können, wie eine kleine, aber schlagkräftige Gewerkschaft (nun als Fachbereich 8) flexibel Tarifauseinandersetzungen meistert, schlaue Taktiken des flexiblen Tarifkampfs einsetzt. Ganz abseits von teuren, aber manchmal wirkungslosen Flächenstreiks. Und mit Strategien, die die Mitglieder nicht  im Regen (und auf den Bäumen) zurücklassen.

Sprachrohr VDP

 

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Schließung von Hörste – ein teurer „Spaß“ für ver.di?

Von den 25 Beschäftigten der Bildungsstätte Lage-Hörste werden dem Vernehmen nach 23 innerhalb der Gewerkschaft ver.di weiterbeschäftigt, weil sie unkündbar sind. Die meisten Betroffenen werden demnach in die Bezirke und ins „benachbarte“ sehr viel kleinere „Bunte Haus“ in Bielefeld-Sennestadt wechseln. Dort können übrigens aus Platz- und Kapazitätsgründen viele Veranstaltungen aus Hörste gar nicht angeboten werden. Der Interessen- und Sozialplan wird derzeit verhandelt. Dem Gewerkschaftsrat wird empfohlen, mal auf die Kosten zu achten, die durch den unsinnigen Schließungsbeschluss entstehen.

Der Verein der Freunde und Förderer war bereit, den zusätzlich geforderten Brandschutz umzusetzen, wenn ver.di ihn vorfinanziert. Wenn dann am Ende die Behörden entgegen der realistischen Annahme die Maßnahmen doch nicht abgenommen hätten, wäre der Verein bereit gewesen, in die Haftung zu treten. Ver.di habe nach Auffassung vieler ehrenamtlich engagierter Mitglieder die Investitionssumme in den Brandschutz bewusst auf über drei Millionen Euro hochgetrieben, um damit den Weiterbetrieb des Hauses zu verhindern.

Bei Besichtigungen durch Behördenvertreter anlässlich von Überlegungen, im Heinrich-Hansen-Haus Flüchtlinge unterzubringen, stellte sich heraus, dass die bisherigen neuen Investitionen in Brandschutzmaßnahmen (neue Außentreppe, noch provisorisch; Außentank für Löschwasser; Vernetzung der Rauchmelder mit der Brandmeldeanlage) für rund 800.000 Euro offenbar ausreichend waren. Die Rede war lediglich davon, einen weiteren Fluchtweg vorzusehen, was die Summe kaum weit über eine Million Euro erhöht hätte.

Als Verhöhnung der Mitglieder und der Beschäftigten wird der „generöse“ Beschluss des Gewerkschaftsrates angesehen, dem Verein knapp acht Wochen Zeit zu geben, um 1,5 Millionen Euro Spenden für den Brandschutz zu sammeln. Weil das eine Finte war, nahm das Gremium in seiner Selbstherrlichkeit die sensationell gesammelten 230.000 Euro nicht zur Kenntnis. Zwar waren den Mitgliedern des Vereins der Freunde und Förderer bewusst, dass es sich um eine Finte handelte. Sie waren jedoch nicht davon ausgegangen, dass angesichts der hohen Spendensumme eine Betriebsverlängerung bis Mitte 2016 abgelehnt würde. Dann hätte der Verein sein Konzept umsetzen und weitere Spenden sammeln können.

Inzwischen ist klar, die Schließung von Lage-Hörste stand schon lange fest. Offenbar hat der Bundesvorstand nur auf eine günstige Gelegenheit gewartet. Dass der Bundesvorstand mit seinem Verhalten Gewerkschaftsbeschäftigte so mies behandelte wie viele Unternehmen, in denen sich Betriebsräte um faire Arbeitsbedingungen und fairen Umgang abmühen, dass der Vorstand (und der Gewerkschaftsrat) das so sehr gewünschte ehrenamtliche Engagement seiner Mitglieder auf diese Weise mit Füßen trat, das war offenbar einkalkuliert und wurde in Kauf genommen. Es wird aber auch so schnell nicht vergessen werden. Dergleichen darf sich nicht wiederholen.

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Letzte Sitzung des Landesbezirksfachbereichsvorstands

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Gedrückte Stimmung: Zum letzten Mal tagte der Landesbezirksvorstand des Fachbereichs 8 in Hörste. Foto: Chrsitof Büttner

Gedrückte Stimmung: Zum letzten Mal tagte der Landesbezirksvorstand des Fachbereichs 8 in Hörste.                             Foto: Christof Büttner

Der Vorstand des Landesbezirksfachbereichs 8 (Medien, Druck und Industrie) aus NRW erarbeitete am Wochenende letztmalig in Hörste sein Arbeitsprogramm fürs kommende Jahr. Die Stimmung war gedrückt und geprägt von Trauer und Fassungslosigkeit über den Umgang des Bundesvorstandes mit Gewerkschaftsbeschäftigten und mit dem Engagement ehrenamtlicher Mitglieder. Sie war aber auch geprägt vom bevorstehenden Abschied von den Kolleginnen und Kollegen der Bildungsstätte und vom Abschied von einer ganz außerordentlichen Einrichtung, in der tausende von Betriebsratsmitgliedern und Gewerkschaftern von tollen Kursleitern (Teamern) Rüstzeug für ihre ehrenamtliche Arbeit erhielten und wichtige gewerkschafts- und gesellschaftspolitische Erkenntnisse vermittelt bekamen. Während der Vorführung der gelungenen Videodokumentation über Anfang und Ende von Hörste flossen Tränen, viele Vorstandsmitglieder mussten um Fassung ringen.

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Flüchtlinge kommen – Brandschutz kein Thema

Flüchtlinge werden wohl im kommenden Jahr im Heinrich-Hansen-Haus untergebracht. Nach Besichtigungen und Gesprächen zwischen ver.di und amtlichen Stellen dürfte dem Verkauf von Immobilie und Gelände kaum noch etwas im Wege stehen. Wie aus „gut unterrichteten Kreisen“ zu erfahren war, haben die Behörden außerdem keinerlei Probleme mit den jetzigen Sicherheitsstandards im Gebäudekomplex. Wir ahnten es. Ein Umbau oder eine „Verbesserung“ des Brandschutzes über den gegenwärtigen Zustand hinaus ist demzufolge nicht erforderlich. Damit erhärtet sich der Verdacht, dass die von ver.di behaupteten unbedingt zum Weiterbetrieb erforderlichen  drei oder vier Millionen Euro für den Brandschutz eine Luftnummer sind und lediglich ein Vorwand für die Schließung der traditionsreichen Bildungsstätte.

Es werden dann offenbar im kommenden Jahr in einer „maroden Bruchbude“ (Mitglied des ver.di-Gewerkschaftsrates) Menschen untergebracht und dort vielleicht Menschen arbeiten, was „einfach aus gesundheitlicher Sicht nicht mehr tragbar“ ist (weiteres Mitglied des Gewerkschaftsrates beim Bundeskongress im September).

In Kürze ist damit zu rechnen, dass in ver.di wg. „politischer Korrektheit“ nicht mehr über die Schließung von Hörste und die Zukunft gewerkschaftspolitischer Bildung diskutiert werden soll, weil Bildung nicht gegen menschliche Not ausgespielt werden darf.

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Offener Brief an ver.di publik: Bravo, Gewerkschaftsrat!

Offener Brief an ver.di publik bezugnehmend auf den Bundeskongress zum Thema Lage-Hörste:

„Mein Name ist Peter Reinold, als Ortsvereinsvorsitzender Fachbereich 8 Bielefeld und Mitglied im Verein der Freunde und Förderer der Bildungsstäte Lage-Hörste e. V. konnte ich mich wegen Krankheit und Urlaub nicht äußern zu den Aussagen der Kollegin („maroder Bruchbau“) und des Kollegen „Mir standen die Haare zu Berge . . . ich glaube, ich würde allerhand tun, damit meine Kolleginnen und Kollegen dort nicht mehr arbeiten. Das ist einfach aus gesundheitlicher Sicht nicht mehr tragbar gewesen. Ich war etwas erschüttert, dass in einer gewerkschaftlichen Einrichtung so etwas passieren kann.“ Was ist denn passiert?

Ich hoffe, dass der Kollege in der richtigen Bildungsstätte Lage-Hörste war!

Anlässlich des 60-jähigen Bestehens (2014) habe ich mich dahingehend geäußert, dass die Bildungsstätte mein zweites Wohnzimmer (marode Bruchbude?) ist und ich dort auch gegautscht worden bin. Bis heute habe ich kein Leiden erlitten! Im November 2015 werde ich an den Druckertagen, ebenso am Zeitungsseminar Technik teilnehmen. Gerne unterziehe ich mich nach dem Seminar einem Gesundheitscheck.

Die Kolleginnen und Kollegen, die sich jahrelang um das Haus bemüht haben, sind sauer, gelinde gesagt.

Die Entscheidung des Gewerkschaftsrates vom 11. Mai 2015, das Haus zu schließen, wird mancher Betriebsrätin und manchem Betriebsrat die Arbeit erschweren.

Die Arbeitgeber werden als Argument anführen, dass sich die Gewerkschaft genau so verhält wie mancher Arbeitgeber.

Bravo, KollegInnen vom Gewerkschaftsrat. Sehr praxisnah!

Den liebgewonnenen KollegInnen kann man jetzt nur viel Glück und Gesundheit wünschen für die Zukunft.

Gott grüß‘ die Kunst

Peter Reinold
(Mitglied des Bundesfachgruppenvorstandes Verlage, Druck und Papier)

Anmerkung: Natürlich hat Peter wie alle anderen Teilnehmer und Beschäftigten in Lage-Hörste in den vergangenen 60 Jahren alle Seminare, Sitzungen und Konferenzen unbeschadet an Leib und Seele „überstanden“!

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Lage-Hörste: „erledigt durch Praxis und Zeitablauf“?

Kritik am Schließungsbeschluss für Lage-Hörste gab es natürlich beim ver.di-Bundeskongress insbesondere aus dem Fachbereich 8, und wieder hatten die Kolleginnen und Kollegen mit Überheblichkeit und (vermeintlichem) Unwissen von Delegierten zu tun. Eine Kollegin aus dem Gewerkschaftsrat verstieg sich zu der Feststellung: „. . . das Geld wäre bei der Jugend besser aufgehoben als bei einem maroden Bruchbau.“ Diese Kollegin kann in den abgelaufenen 20 Jahren nicht im Heinrich-Hansen-Haus gewesen sein, oder sie leidet unter Wahrnehmungsstörungen. Ein weiterer Kollege aus dem Gewerkschaftsrat behauptete mal eben so, „dass Lage-Hörste ja nicht die beste Entwicklung in den letzten Jahren hatte.“ Alle Beteiligten wissen, dass das nicht stimmt. Hat sich das nicht bis zum Gewerkschaftsrat herumgesprochen?

Und dann stellte sich einer ans Mikrofon und sagte: „. . . ich habe das Haus besichtigt, und ich kann Euch eines sagen: Mir standen die Haare zu Berge. Wäre ich Betriebsrat in einer solchen Einrichtung oder würde so etwas in meiner Einrichtung passieren, ich glaube, ich würde allerhand tun, damit meine Kolleginnnen und Kollegen dort nicht mehr arbeiten. Das ist einfach aus gesundheitlicher Sicht nicht mehr tragbar gewesen. Ich war erschüttert, dass in einer gewerkschaftlichen Einrichtung so etwas passieren kann.“
Keine Ahnung, wo der Kollege war – in Hörste jedenfalls nicht. Wenn das stimmt, was er sich da zusammenphantasiert hatte, dann wäre der Bundesvorstand mindestens 20 Jahre lang juristisch verantwortlich für eventuelle Schäden an Leib und Leben der Beschäftigten und Gäste gewesen. Und genau das will er ja angeblich vermeiden, indem er das Haus schließt. Hat er womöglich damals schon fahrlässig gehandelt?

Weder Frank Werneke, noch Frank Bsirske, noch Dina Bösch korrigierten diesen Unsinn. Warum auch, das hätte ja manche Delegierte nachdenklich machen können. Frank Werneke: „Es ist nicht Aufgabe dieses Podiums, Wortbeiträge von Delegierten zu kritisieren, auch wenn wir deren Aussagen inhaltlich nicht teilen.“ Eine Richtigstellung vorzunehmen, sei aus seiner Sicht nicht das Verständnis des Podiums.

Michael Große-Hovest, Vorsitzender des Landesbezirksfachbereichs 8 NRW, bezeichnete die Wortwahl „maroder Bruchbau“ als Unverschämtheit. Walter Brinkmann vom Ortsverein Detmold bezeichnete diese Beschreibungen als „Märchen“. Er lud die Gewerkschaftsrats-Kollegin ein, sie möge zeigen, wo Lage-Hörste eine „Bruchbude“ sei. Er verwies darauf, dass Investitionen in das Heinrich-Hansen-Haus Investitionen in die Zukunft der Gewerkschaftsarbeit seien, in das wichtigste Potenzial, „das wir haben, nämlich in die Bildung und in die Köpfe unserer Kolleginnen und Kollegen.“ Walter verlangte nach einer Erklärung, warum alle ver.di-Forderungen an die Politik, in Bildung und Infrastruktur zu investieren, „für uns als ver.di und hier für Lage-Hörste eben nicht gelten“. Wer Hörste schließen wolle, vernichte weiterhin gewerkschaftliche Bildungspotenziale und Kapazitäten.

Karin Wagner (FG VDP) betonte, es sei nicht möglich, die Arbeit von Hörste (besonders identifiziert mit dem Fachbereich 8) auf das rund 20 Kilometer entfernte Bunte Haus zu übertragen. Die Seminare müssen deshalb auf Bildungsstätten in Deutschland verteilt werden. „Und wer nur über eine Immobilie spricht, hat den Kolleginnen und Kollegen dort vor Ort, die zum Teil seit mehr als 30 Jahren dort arbeiten, nicht in die Augen geguckt und weiß nicht, wie es denen momentan geht. Ich finde, es ist eine verdammte Art und Weise von Wertschätzung, wenn man deren jahrelange Arbeit dadurch achtet, dass man dort vielleicht vorab eine Gewerkschaftsratssitzung im Haus gemacht hätte. Dann hätten die Leute mal gesehen, worüber sie eigentlich entscheiden. Das hätte mich gefreut“, sagte Karin unter Beifall.

Frank Bsirske scheute sich nicht, die Mär von der „besseren Auslastung“ bestehender durch Schließen anderer Bildungsstätten weiterzuverbreiten, Und schließlich behauptete Monika Brandl, der Gewerkschaftsrat habe es sich mit seiner Entscheidung „nicht leicht gemacht“. Das Gremium hatte im März generös beschlossen, Lage-Hörste weiterzubetreiben, wenn der Verein der „Freunde und Förderer der Bildungsstätte Lage-Hörste“ innerhalb von acht Wochen (!) mal eben mindestens 1,5 Millionen Euro Spenden einsammelt, um die Finanzierungslücke zu schließen. Der Gewerkschaftsrat hatte es also keinesfalls ernst gemeint, wohl wissend, dass seine Forderung kaum zu erfüllen sei. Der Förderverein hingegen hatte diese Finte erkannt, Aber die Mitglieder hatten erwartet, dass sie ernst genommen würden, wenn sie eine namhafte Summe zusammenbringen würden. Das war nicht der Fall, obwohl 230.000 Euro zusammengekommen waren, und mit einer derartigen Missachtung gewerkschaftlichen Engagements an der Basis durch GR und BuVo hatte niemand gerechnet.

Frank Werneke bestand weiter auf der Alternativlosigkeit der Schließung und schob wieder den Brandschutzsachverständigen vor, der den Weiterbetrieb von Hörste nur bis 31. Dezember 2015 mittrage.Dabei sind es die  Behörden, die Betriebserlaubnisse erteilen. Dazu nochmal Walter Brinkmann vom OV Detmold, der bei Gesprächen mit Verantwortlichen der Stadt Lage, der Kreisverwaltung Lippe und der Feuerwehr dabei war: „Alle haben in dieser Runde gesagt, was ver.di da einfordert an Brandschutzkonzept, ist die XXXL-Lösung. Wir als Kommune, wir als Keisverwaltung hätten nie und nimmer so ein Brandschutzkonzept eingefordert. Das genau hat die Investitionen in die Höhe getrieben bis ins Uferlose.“

Und genau das scheint der Plan zu sein: Ein Konzern will Geld sparen, beauftragt damit seine Revision, die ein Objekt samt Beschäftigten findet und es unter dem Vorwand von zu großen Kosten schließt. Unterscheidet sich ver.di von einem solchen Konzern? Der Betriebsrat in Hörste wurde offenbar nicht in den üblichen Fristen informiert, die „Teamer“ (freie Kursleiter) lange Zeit gar (oder überhaupt) nicht. Ein schnell durch die aktive Basis gegründeter Verein, der mit großem Engagement (wie ein Betriebsrat) einen „Unternehmensteil“ retten will, erfährt ähnlich wie ein Betriebsrat in der „freien Wirtschaft“ alle Widrigkeiten von Behinderung (steuerrechtliche Probleme, dürfen Gliederungen spenden, Verzögerung von Überweisungen, Zuständigkeit von BR und GBR) bis hin zur Köderung, eine bestimmte Summe zur Rettung aufzubringen (vergleichbar mit Opfern einer Belegschaft). Und wenn ein Beschäftigter/Gewerkschaftsmitglied aufmuckt, heißt es, die Streikkasse darf nicht angetastet werden.

Der Verein der Freunde und Förderer hat ein realistisches Konzept für Hörste vorgelegt. Ein Antrag auf Verlängerung der Betriebserlaubnis für zunächst etwa ein Jahr wäre notwendig und möglich gewesen. In diesem Zeitraum hätten weitere Gelder eingeworben werden können. Danach hätte man immer noch entscheiden können. Diese Chance wollten aber weder der Bundesvorstand noch die Mehrheit des Gewerkschaftsrates weder den Beschäftigten, noch der Einrichtung, noch dem Förderverein geben. Warum?

Die Anträge zu Lage-Hörste wurden beim Bundeskongress unter dem Stichwort abgelehnt: „erledigt durch Praxis und Zeitablauf“.

Offenbar gibt es schon Verhandlungen zwischen ver.di und Behörden zur „Umnutzung“ des Heinrich-Hansen-Hauses als Flüchtlingsunterkunft. Wir werden genau hinschauen, ob die angeblichen 4,5 Millionen Euro für den Brandschutz dann wirklich erforderlich werden. Aber dann ist ja der Bundesvorstand auch nicht mehr „verantwortlich“.

Michael Große-Hovest: „Erledigt ist die ganze Sache für uns nicht. Das war der letzte Satz. Ich danke für die Aufmerksamkeit.“

 

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Fachbereiche im Bezirk Rhein-Neckar machen sich für Hörste stark

Bundesweiter Kita-Streik – (fast) versemmelt, bundesweiter Zusteller-Streik bei der Post – versemmelt. Viele Verdi-Mitglieder sind sauer. Manche überlegen ihren Austritt. Sie werden von ihren KollegInnen gewarnt, dass Austritte lediglich die Sache der ArbeitnehmerInnen schwäche und die Arbeitgeber stärke. Das kann aber auch bedeuten: Die Mitglieder von Verdi bleiben in ihrer Gewerkschaft – egal, was Bundesvorstand und Gewerkschaftsrat so anstellen. Der Poststreik, so wird kolportiert, habe zweistellige Millionenbeträge gekostet. Und erkennbar kaum etwas gebracht.

Aber zwei Millionen Euro in eine Bildungsstätte (also in die Zukunft der Gewerkschaft und ihrer Mitglieder) zu investieren, die sträflich vernachlässigt wurde, die soll es nicht geben. Dem Verein der Freunde und Förder der Bildungsstätte Lage-Hörste soll nicht einmal Zeit gegeben werden, sein Konzept umzusetzen. Es geht nicht darum, Hörste und Streiks gegeneinander auszuspielen. Aber ohne solide und breit angelegte gewerkschaftspolitische Bildung, ohne ein Konzept dazu und ohne gewerkschaftliche Bildungsstätten wird es mit Streiks künftig schwieriger werden.

Auch die Fachbereichsvorstände 08 und 05 im Bezirk Rhein-Neckar halten eine Schließung des Heinrich-Hansen-Hauses für falsch. Sie fordern, die Bildungsstätte bis mindestens Juni 2017 weiterzubetreiben. Damit hätte der Verein der Freunde und Förder die notwendige Zeit, sein Konzept umzusetzen. „Gerade das Heinrich-Hansen-Haus in Lage-Hörste als ver.di-Bildungsstätte ist Symbol für Eigeninitiative und kollektives gewerkschaftliches Engagement.“

Resolution_FB 08-05 Rhein-Neckar 20-07-15

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