In Gladenbach wehmütig an Hörste gedacht

Zum ersten Mal trafen sich Vertreter von Tageszeitungs- und Zeitschriften-Betriebsräten zu ihrem traditionellen Seminar „Arbeitsbedingungen in Redaktionsbetrieben – der Betriebsrat gestaltet mit“ nicht in Hörste, sondern in Gladenbach (Hessen). Wehmut kam bei den „altgedienten“ Teilnehmern auf, obwohl sich Gladenbach als hervorragendes Bildungszentrum entpuppte: Schön gelegen, großzügige Räumlichkeiten, hervorragende Küche, tolles Personal, bestens ausgestattete Seminarräume, Freizeitangebote, gute Veranstaltungstechnik. Und gute Stimmung. Das alles gab es in Hörste auch, das jetzt vor sich hingammelt. Immerhin ist Gladenbach ähnlich schwer mit dem Nahverkehr zu erreichen wie Hörste. Woran wir uns noch gewöhnen müssen: Gladenbach ist sehr weitläufig, man kann sich dort schon verlieren. Und die hervorragend ausgestattete Kneipe ist lange nicht so intim wie die in Hörste. Aber das ist nicht spielentscheidend. Das Seminar war übrigens wie üblich praxisnah, lehrreich und unterhaltend.

Gladenbach wurde 1954 erbaut und später erweitert und modernisiert. Es gehörte der Deutschen Postgewerkschaft (DPG), neben der DAG, der ÖTV und der IG Medien eine der Quellgewerkschaften von Verdi.

Verdi hat im Laufe der Jahre zwei Bildungszentren der DPG (Walsrode und Wasserfall), zwei der ÖTV (Kochel am See, Niedersfeld) und eins der DAG (Bardenau, DAG-Jugend) geschlossen. Verbleiben noch von der ÖTV Mosbach, Undeloh, Berlin, Bielefeld-Sennestadt und Saalfeld, von der DAG Walsrode, Berlin und Naumburg, von der DPG Brannenburg und Gladenbach.

Dagegen hat die IG Medien ihre beiden einzigen Bildungszentren verloren: Springen und Hörste. Das widerspricht einer Vereinbarung, dass jede Quellgewerkschaft von Verdi mindestens ein Bildungszentrum behalten darf.

Wir werden das nicht vergessen. Wir werden auch nicht vergessen, wie Bundesvorstand und Gewerkschaftsrat engagierte Mitglieder hinters Licht geführt haben und bei der Schließung von Hörste mit verdeckten Karten gespielt haben.

Konzentriertes Arbeiten: Gladenbach erweist sich als Bildungszentrum Hörste ebenbürtig. Trotzdem wurde die Atmosphäre von Hörste vermisst.

Konzentriertes Arbeiten: Gladenbach erweist sich als Bildungszentrum Hörste ebenbürtig. Trotzdem wurde die Atmosphäre von Hörste vermisst.

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Brief an eine Kollegin aus dem Gewerkschaftsrat

Walter Brinkmann, Vorsitzender des ver.di-Ortsvereins Detmold, hatte sich beim ver.di-Kongress im September (mit anderen Kolleginnen und Kollegen, auf dieser Seite dokumentiert) vehement für den Erhalt des Heinrich-Hansen-Heims eingesetzt. Er hatte eine Kollegin auf dem Kongress mündlich und danach per Mail zu einem Besuch eingeladen, damit sie überprüfen konnte, dass ihre unsäglichen Äüßerungen über Hörste nicht haltbar sind. Hier die Mail von Walter:

„Liebe Kollegin, da Du  erwartungsgemäß auf meine Mail vom 1.10.  dieses Jahres ja nicht geantwortet hast, nehme ich das nahende Jahresende noch einmal zum Anlass, Dir ein paar Zeilen zu schreiben.

Das Heinrich Hansen-Heim in Lage/Hörste schließt nun ohne Not seine Türen und stellt die gewerkschaftliche Bildungsarbeit ein. Wenn ich „ohne Not“ formuliere, ist das auch genau so gemeint – denn vor einigen Wochen gab es mit Vertretern der Bezirksregierung Detmold eine Begehung (im Rahmen eines Kaufbegehrens durch die Stadt Lage für die Unterbringung von Flüchtlingen) des Gebäudes. Die Vertreter waren gut vorbereitet und im Besitz aller erforderlichen Unterlagen und Informationen zum Brandschutz. Während der Begehung wurde der Stand des Brandschutzes ausdrücklich positiv gewürdigt.

Das ist nur ein Beispiel in diesem unglaublichen gewerkschaftlichen Verwirrspiel (Lügenspiel). Du hast Dich mit Deiner Wortäußerung auf dem Bundeskongress nahtlos in diese Reihe eingegliedert und als Totengräber einer gut funktionierenden Bildungsstädte mitgewirkt. Man kann nur ahnen (die Phantasie habe ich schon) mit welchen weiteren qualifizierten Äußerungen Du dich hinter verschlossenen Türen im Gewerkschaftsrat an der Schließungsdebatte aktiv beteiligt hast.

Dass Du mein Angebot, Dich gemeinsam mit mir vor Ort zu treffen, um Deine Kritik vor Ort einem Belastungstest zu unterziehen, bewusst nicht angenommen hast – das besagt alles. Schade, dass so ein Verhalten von hohen Mandatsträgern in unserer Organisation möglich ist und geduldet wird.

Zu Deiner Kenntnis sende ich Dir einen Link zu über den Du Dir den aktuellen Film zu Lage/Hörste ansehen kannst – denn den werdet Ihr euch bestimmt nicht im Gewerkschaftsrat ansehen.“

Video Hörste

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Gelungene Dokumentation über Hörste auf DVD

Gut eine Stunde lang erinnern sich Zeitzeugen an die gewerkschaftliche und politische Bildungsarbeit im Heinrich-Hansen-Haus, die immerhin über 60 Jahre währte, bis ver.di einen Vorwand hatte, die traditionsreiche Bildungsstätte zu schließen. Gewerkschaftsrat und Bundesvorstand setzten sich über gute und tragfähige Argumente hinweg, ließen engagierte Gewerkschaftsmitglieder vor die Wand laufen. Auch das ist Thema auf der DVD. Zu Wort kommt außerdem Heinrich Hollmann, langjähriger stv. Landesvorsitzender der IG Druck und Papier, der Hörste mit aufgebaut hat.

Hörste-DVD

Anschreiben Hörste-Film 01-2016

https://www.nrwision.de/programm/sendungen/ansehen/das-heinrich-hansen-haus-ein-unwiederbringlicher-ort.html

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Ver.di: Vom Kampfstier zum Mastochsen

Als persönliche Konsequenz aus dem Vorgehen von ver.di-Bundesvorstand und ver.di-Gewerkschaftsrat in Bezug auf die Schließung der Bildungsstätte Lage-Hörste entzieht Hans Dölzer, Vorstandsmitglied im Fachbereich Medien, Kunst und Industrie in ver.di Rhein-Neckar den KollegInnen Werneke, Bsirske, Bösch und dem gesamten Bundesvorstand sein Vertrauen (man kann es verstehen). „Er betrachtet diesen Vorstand als Gegner und nicht länger als Kolleginnen und Kollegen“, schreibt er in seiner hier anhängenden „Intrigenchronik“.  In der Konsequenz aus den Vorgängen um die Schließung des Heinrich-Hansen-Hauses will er sich nach fast 40jähriger Mitgliedschaft für die erneute Konstituierung einer unabhängigen Mediengewerkschaft in den Traditionen von IG Druck und Papier und IG Medien einsetzen. Er sieht auch die (schlechtere) Möglichkeit, sich anderen Gewerkschaften wie GEW, IG Metall oder NGG anzuschließen.

Hans Dölzers Gedanken werfen Fragen nach der Zukunft des Fachbereichs 8 in ver.di auf, ein Fachbereich, der als IG Druck und Papier mit einer über 150 Jahre alten Geschichte zu den herausragenden Vorkämpfern für soziale Gerechtigkeit, Bildung, Solidarität und Gleichberechtigung gehört. Ein Fachbereich, von dem offensichtlich andere Fachbereiche etwa hinsichtlich von Streiktaktiken und Umgang mit Mitgliedern eine Menge lernen könnten, wenn sie es denn wollten. Ein Fachbereich, dessen Tradition, Kampfkraft und Erfahrung sich andere Fachbereiche zu Nutze machen sollten. Vor allem, wenn man an den Poststreik, den Kita-Ausstand und den Streik bei Amazon denkt.

Man muss nicht in jedem Punkt Hans‘ Einschätzung teilen, aus der neben kühler Sachlichkeit auch Zorn spricht. Aber seine Gedanken sind es unbedingt wert, gelesen und kommentiert zu werden. Bundesvorstand und Gewerkschaftsrat werden zwar pauschal kritisiert, erfreulicherweise sind sie aber nicht  einer Meinung (im Falle Hörste). Interessant ist Hans Dölzers Formulierung, dass aus dem ehemals vermeintlichen „Kampfstier ver.di“ ein Mastochse geworden sei.

Die Intrigenchronik

Anmerkung: Auf Seite 2 des pdf, 6. Absatz, muss es heißen „Frank Werneke“ (nicht: Frank Bsirske).

 

 

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Angriff auf die Identität des Fachbereichs

Das Sprachrohr, Mitgliederzeitung des Fachbereichs Medien, Kunst und Industrie Berlin-Brandenburg, beschäftigt sich in der Dezember-Ausgabe mit den Druckertagen und der Schließung von Hörste. Von „mühsam gezügelter Wurt“ ist die Rede, von einem „Angriff auf die Identität des Fachbereichs“. Nachvollziehbar wird das auch, wenn man an die Vereinbarung denkt, dass jede Quellgewerkschaft von ver.di mindestens ein eigenes Bildungszentrum behalten sollte. Die ehemalige Gewerkschaft Druck und Papier hat nun keins mehr. Dabei hätten andere Fachbereiche grade in Hörste lernen können, wie eine kleine, aber schlagkräftige Gewerkschaft (nun als Fachbereich 8) flexibel Tarifauseinandersetzungen meistert, schlaue Taktiken des flexiblen Tarifkampfs einsetzt. Ganz abseits von teuren, aber manchmal wirkungslosen Flächenstreiks. Und mit Strategien, die die Mitglieder nicht  im Regen (und auf den Bäumen) zurücklassen.

Sprachrohr VDP

 

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Schließung von Hörste – ein teurer „Spaß“ für ver.di?

Von den 25 Beschäftigten der Bildungsstätte Lage-Hörste werden dem Vernehmen nach 23 innerhalb der Gewerkschaft ver.di weiterbeschäftigt, weil sie unkündbar sind. Die meisten Betroffenen werden demnach in die Bezirke und ins „benachbarte“ sehr viel kleinere „Bunte Haus“ in Bielefeld-Sennestadt wechseln. Dort können übrigens aus Platz- und Kapazitätsgründen viele Veranstaltungen aus Hörste gar nicht angeboten werden. Der Interessen- und Sozialplan wird derzeit verhandelt. Dem Gewerkschaftsrat wird empfohlen, mal auf die Kosten zu achten, die durch den unsinnigen Schließungsbeschluss entstehen.

Der Verein der Freunde und Förderer war bereit, den zusätzlich geforderten Brandschutz umzusetzen, wenn ver.di ihn vorfinanziert. Wenn dann am Ende die Behörden entgegen der realistischen Annahme die Maßnahmen doch nicht abgenommen hätten, wäre der Verein bereit gewesen, in die Haftung zu treten. Ver.di habe nach Auffassung vieler ehrenamtlich engagierter Mitglieder die Investitionssumme in den Brandschutz bewusst auf über drei Millionen Euro hochgetrieben, um damit den Weiterbetrieb des Hauses zu verhindern.

Bei Besichtigungen durch Behördenvertreter anlässlich von Überlegungen, im Heinrich-Hansen-Haus Flüchtlinge unterzubringen, stellte sich heraus, dass die bisherigen neuen Investitionen in Brandschutzmaßnahmen (neue Außentreppe, noch provisorisch; Außentank für Löschwasser; Vernetzung der Rauchmelder mit der Brandmeldeanlage) für rund 800.000 Euro offenbar ausreichend waren. Die Rede war lediglich davon, einen weiteren Fluchtweg vorzusehen, was die Summe kaum weit über eine Million Euro erhöht hätte.

Als Verhöhnung der Mitglieder und der Beschäftigten wird der „generöse“ Beschluss des Gewerkschaftsrates angesehen, dem Verein knapp acht Wochen Zeit zu geben, um 1,5 Millionen Euro Spenden für den Brandschutz zu sammeln. Weil das eine Finte war, nahm das Gremium in seiner Selbstherrlichkeit die sensationell gesammelten 230.000 Euro nicht zur Kenntnis. Zwar waren den Mitgliedern des Vereins der Freunde und Förderer bewusst, dass es sich um eine Finte handelte. Sie waren jedoch nicht davon ausgegangen, dass angesichts der hohen Spendensumme eine Betriebsverlängerung bis Mitte 2016 abgelehnt würde. Dann hätte der Verein sein Konzept umsetzen und weitere Spenden sammeln können.

Inzwischen ist klar, die Schließung von Lage-Hörste stand schon lange fest. Offenbar hat der Bundesvorstand nur auf eine günstige Gelegenheit gewartet. Dass der Bundesvorstand mit seinem Verhalten Gewerkschaftsbeschäftigte so mies behandelte wie viele Unternehmen, in denen sich Betriebsräte um faire Arbeitsbedingungen und fairen Umgang abmühen, dass der Vorstand (und der Gewerkschaftsrat) das so sehr gewünschte ehrenamtliche Engagement seiner Mitglieder auf diese Weise mit Füßen trat, das war offenbar einkalkuliert und wurde in Kauf genommen. Es wird aber auch so schnell nicht vergessen werden. Dergleichen darf sich nicht wiederholen.

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Letzte Sitzung des Landesbezirksfachbereichsvorstands

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Gedrückte Stimmung: Zum letzten Mal tagte der Landesbezirksvorstand des Fachbereichs 8 in Hörste. Foto: Chrsitof Büttner

Gedrückte Stimmung: Zum letzten Mal tagte der Landesbezirksvorstand des Fachbereichs 8 in Hörste.                             Foto: Christof Büttner

Der Vorstand des Landesbezirksfachbereichs 8 (Medien, Druck und Industrie) aus NRW erarbeitete am Wochenende letztmalig in Hörste sein Arbeitsprogramm fürs kommende Jahr. Die Stimmung war gedrückt und geprägt von Trauer und Fassungslosigkeit über den Umgang des Bundesvorstandes mit Gewerkschaftsbeschäftigten und mit dem Engagement ehrenamtlicher Mitglieder. Sie war aber auch geprägt vom bevorstehenden Abschied von den Kolleginnen und Kollegen der Bildungsstätte und vom Abschied von einer ganz außerordentlichen Einrichtung, in der tausende von Betriebsratsmitgliedern und Gewerkschaftern von tollen Kursleitern (Teamern) Rüstzeug für ihre ehrenamtliche Arbeit erhielten und wichtige gewerkschafts- und gesellschaftspolitische Erkenntnisse vermittelt bekamen. Während der Vorführung der gelungenen Videodokumentation über Anfang und Ende von Hörste flossen Tränen, viele Vorstandsmitglieder mussten um Fassung ringen.

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Flüchtlinge kommen – Brandschutz kein Thema

Flüchtlinge werden wohl im kommenden Jahr im Heinrich-Hansen-Haus untergebracht. Nach Besichtigungen und Gesprächen zwischen ver.di und amtlichen Stellen dürfte dem Verkauf von Immobilie und Gelände kaum noch etwas im Wege stehen. Wie aus „gut unterrichteten Kreisen“ zu erfahren war, haben die Behörden außerdem keinerlei Probleme mit den jetzigen Sicherheitsstandards im Gebäudekomplex. Wir ahnten es. Ein Umbau oder eine „Verbesserung“ des Brandschutzes über den gegenwärtigen Zustand hinaus ist demzufolge nicht erforderlich. Damit erhärtet sich der Verdacht, dass die von ver.di behaupteten unbedingt zum Weiterbetrieb erforderlichen  drei oder vier Millionen Euro für den Brandschutz eine Luftnummer sind und lediglich ein Vorwand für die Schließung der traditionsreichen Bildungsstätte.

Es werden dann offenbar im kommenden Jahr in einer „maroden Bruchbude“ (Mitglied des ver.di-Gewerkschaftsrates) Menschen untergebracht und dort vielleicht Menschen arbeiten, was „einfach aus gesundheitlicher Sicht nicht mehr tragbar“ ist (weiteres Mitglied des Gewerkschaftsrates beim Bundeskongress im September).

In Kürze ist damit zu rechnen, dass in ver.di wg. „politischer Korrektheit“ nicht mehr über die Schließung von Hörste und die Zukunft gewerkschaftspolitischer Bildung diskutiert werden soll, weil Bildung nicht gegen menschliche Not ausgespielt werden darf.

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