AG Kunst und Kultur: Schließung „absolut falsches Signal“

Die Arbeitsgemeinschaft Kunst und Kultur in ver.di bekundet in einem Brief an den Förderverein ihre Solidarität. Sie bezeichnet den Beschluss des Gwerkschaftsrates als „absolut falsches Signal“ und  empfindet eine Schließung von Hörste als gegen ihre gewerkschaftliche Kulturarbeit gerichtet.

Der Brief im Wortlaut:

„Liebe Kolleginnen und Kollegen,

liebe Freundinnen und Freunde von Hörste,

 

im Namen der Kunstfachgruppenmitglieder in ver.di, vertreten durch die AG Kunst und Kultur, möchten wir euch unser ausdrückliches Bedauern über den Beschluss des Gewerkschaftsrates von ver.di vom 10. Mai 2015 mitteilen. Wir haben euren Einsatz für Lage-Hörste außerordentlich bewundert und schätzen alles, was ihr in so kurzer Zeit „auf die Beine“ gestellt habt. Das war in der Kürze der Zeit erstaunlich und beeindruckend. Wie andere Freundinnen und Freunde haben wir euch dabei nach Kräften unterstützt. Das bis zum Mai gesetzte Ziel konnte leider aus verschiedenen Gründen nicht erreicht werden. Wie aber im Initiativantrag von Gundula Lasch bei der Gewerkschaftsratssitzung zum Ausdruck kam, sind eigentlich noch viele Fragen offenen.

Wie auch ihr können wir uns nur schwerlich mit dem gefassten Beschluss abfinden, der ein absolut falsches Signal ist.

Die Gewerkschaften sind von Anfang an nicht nur eine ökonomische und tariflich orientierte Kraft gewesen, sondern haben auch immer Gesellschafts- und Kulturpolitik als ihre Aufgabe gesehen. Im Leitbild des DGB zur Kulturpolitik heißt es:

„Unsere Kulturpolitik zielt auf eine Verbesserung und zukunftsfähige Förderung der kulturellen Infrastruktur unseres Landes. Sie soll dazu beitragen, kulturelle Arbeitnehmerinteressen zu vertreten, gewerkschaftliches Bewusstsein zu stärken und demokratisches Engagement zu fördern. Die Bedeutung der künstlerischen Arbeit für die Gewerkschaften wird nicht am finanziellen Erfolg gemessen, sondern am kulturellen Mehrwert für die Gesellschaft.“

Dieser Positionierung des DGB hat sich auch ver.di angeschlossen. Als Aufgabenstellung heißt es dann weiter:

„Ziel unserer kulturpolitischen Arbeit ist es, möglichst allen Menschen die Teilhabe an Kultur und Kunst zu ermöglichen. Kulturelle Lebensqualität darf nicht das Privileg von Wohlhabenden und Bildungseliten sein. Es gilt, ein publikumsnahes und nachfrageorientiertes Angebot kultureller Veranstaltungen zu sichern.“

Bei dieser Positionierung und Aufgabenstellung war das Institut für Medien und Kunst (IMK) ein zentraler Faktor und eine wesentlich Kraft für die Kulturpolitik von ver.di. Mit dem Gewerkschaftsratsbeschluss vom Mai wird eine erfolgreiche Geschichte von mehr als 60 Jahren Arbeitnehmer-Bildung und Kulturarbeit beendet.

Damit wollen wir uns wie auch ihr nicht abfinden. Bitte lasst uns wissen, was ihr weiterhin tun werdet, um Hörste als kultur-, medien- und gesellschaftspolitisches Zentrum für die Gewerkschaft zu erhalten.

Als Kunst und Kulturbeauftragte sehe ich unsere Aufgabe auch darin auf die Aufhebung der Trennung von Kultur und Arbeit hinzuwirken. Kulturelle Bildung ist nichts, worauf man selbst im Ernstfall verzichten könnte, sondern ein wesentliches Emanzipationspotential. Kampfbereitschaft und Protestbegeisterung beziehen ihre Kräftepotentiale nicht nur aus der Hoffnung auf materiellen Gewinn, sondern auch aus aktiver gewerkschaftlicher Kulturtarbeit. Dafür war und ist die Bildungsstätte in Lage-Hörste ein zentraler Kommunikationsort.

Ihre Schließung empfinden wir als gegen unsere gewerkschaftliche Kulturarbeit gerichtet, die eine wichtige gesellschaftliche Integrationsfunktion hat, und bei der die Gewerkschaftsmitglieder auf neue Zukunftsperspektiven stoßen können.

Mit solidarischen Grüßen an Euch und alle Freundinnen und Freunde von Lage-Hörste!

gez. Regine Möbius                                       gez. Heinrich Bleicher-Nagelsmann“

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3 Gedanken zu „AG Kunst und Kultur: Schließung „absolut falsches Signal“

  1. Bei mir geht seit einiger Zeit ein Zitat von Leonhard Mahlein, unserem ehemaligen langjährigen Vorsitzenden der IG Druck und Papier, nicht aus dem Kopf. Er sagte damals: „Es gibt große Gewerkschaften und es gibt gute Gewerkschaften – zu den großen Gewerkschaften gehören wir nicht“. Ja, die IG Druck und Papier war eine kleine aber feine und kampfstarke Gewerkschaft. Vielleicht könnte eine kleine und feine Gewerkschaft KUNST und KULTUR unsere Interessen besser vertreten!? Ein Haus hätten wir ja schon: Das IMK Institut für Bildung, Medien und KULTUR Lage-Hörste.

  2. Ja eine “ Aura “ soll zu Ende gehen…..Was sollen wir darauf;
    „Für uns als Fazit ziehen“???
    Die Gewerkschaft will keine eigene Bildung mehr???
    Es soll jetzt doch alles Extern/Outgesourct werden???
    Tut mir leid, ich verstehe es nicht…als doofer Angestellter, aber eins ist mir doch klar, hier wird am falschem Ende gespart………………..Denn Bildung ist der beste Weg zum Widerstand……Ohne Wissen ist man machtlos. Aber vielleicht ist das auch gewollt……………Abgesprochen…..

    • Frank Werneke, der seine Karriere bei der IG Druck und Papier und in Hörste begann, soll neulich vor Gewerkschaftsmitgliedern gesagt haben, die Streikkasse sei ihm wichtiger als eine Bildungsstätte. Abgesehen von der Fragwürdigkeit, das eine gegen das andere auszuspielen: Ver.di hat gar keine Streikkasse. Ver.di hat Vermögen. Und hier müsste man ansetzen.

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