Offener Brief an ver.di publik: Bravo, Gewerkschaftsrat!

Offener Brief an ver.di publik bezugnehmend auf den Bundeskongress zum Thema Lage-Hörste:

„Mein Name ist Peter Reinold, als Ortsvereinsvorsitzender Fachbereich 8 Bielefeld und Mitglied im Verein der Freunde und Förderer der Bildungsstäte Lage-Hörste e. V. konnte ich mich wegen Krankheit und Urlaub nicht äußern zu den Aussagen der Kollegin („maroder Bruchbau“) und des Kollegen „Mir standen die Haare zu Berge . . . ich glaube, ich würde allerhand tun, damit meine Kolleginnen und Kollegen dort nicht mehr arbeiten. Das ist einfach aus gesundheitlicher Sicht nicht mehr tragbar gewesen. Ich war etwas erschüttert, dass in einer gewerkschaftlichen Einrichtung so etwas passieren kann.“ Was ist denn passiert?

Ich hoffe, dass der Kollege in der richtigen Bildungsstätte Lage-Hörste war!

Anlässlich des 60-jähigen Bestehens (2014) habe ich mich dahingehend geäußert, dass die Bildungsstätte mein zweites Wohnzimmer (marode Bruchbude?) ist und ich dort auch gegautscht worden bin. Bis heute habe ich kein Leiden erlitten! Im November 2015 werde ich an den Druckertagen, ebenso am Zeitungsseminar Technik teilnehmen. Gerne unterziehe ich mich nach dem Seminar einem Gesundheitscheck.

Die Kolleginnen und Kollegen, die sich jahrelang um das Haus bemüht haben, sind sauer, gelinde gesagt.

Die Entscheidung des Gewerkschaftsrates vom 11. Mai 2015, das Haus zu schließen, wird mancher Betriebsrätin und manchem Betriebsrat die Arbeit erschweren.

Die Arbeitgeber werden als Argument anführen, dass sich die Gewerkschaft genau so verhält wie mancher Arbeitgeber.

Bravo, KollegInnen vom Gewerkschaftsrat. Sehr praxisnah!

Den liebgewonnenen KollegInnen kann man jetzt nur viel Glück und Gesundheit wünschen für die Zukunft.

Gott grüß‘ die Kunst

Peter Reinold
(Mitglied des Bundesfachgruppenvorstandes Verlage, Druck und Papier)

Anmerkung: Natürlich hat Peter wie alle anderen Teilnehmer und Beschäftigten in Lage-Hörste in den vergangenen 60 Jahren alle Seminare, Sitzungen und Konferenzen unbeschadet an Leib und Seele „überstanden“!

Lage-Hörste: „erledigt durch Praxis und Zeitablauf“?

Kritik am Schließungsbeschluss für Lage-Hörste gab es natürlich beim ver.di-Bundeskongress insbesondere aus dem Fachbereich 8, und wieder hatten die Kolleginnen und Kollegen mit Überheblichkeit und (vermeintlichem) Unwissen von Delegierten zu tun. Eine Kollegin aus dem Gewerkschaftsrat verstieg sich zu der Feststellung: „. . . das Geld wäre bei der Jugend besser aufgehoben als bei einem maroden Bruchbau.“ Diese Kollegin kann in den abgelaufenen 20 Jahren nicht im Heinrich-Hansen-Haus gewesen sein, oder sie leidet unter Wahrnehmungsstörungen. Ein weiterer Kollege aus dem Gewerkschaftsrat behauptete mal eben so, „dass Lage-Hörste ja nicht die beste Entwicklung in den letzten Jahren hatte.“ Alle Beteiligten wissen, dass das nicht stimmt. Hat sich das nicht bis zum Gewerkschaftsrat herumgesprochen?

Und dann stellte sich einer ans Mikrofon und sagte: „. . . ich habe das Haus besichtigt, und ich kann Euch eines sagen: Mir standen die Haare zu Berge. Wäre ich Betriebsrat in einer solchen Einrichtung oder würde so etwas in meiner Einrichtung passieren, ich glaube, ich würde allerhand tun, damit meine Kolleginnnen und Kollegen dort nicht mehr arbeiten. Das ist einfach aus gesundheitlicher Sicht nicht mehr tragbar gewesen. Ich war erschüttert, dass in einer gewerkschaftlichen Einrichtung so etwas passieren kann.“
Keine Ahnung, wo der Kollege war – in Hörste jedenfalls nicht. Wenn das stimmt, was er sich da zusammenphantasiert hatte, dann wäre der Bundesvorstand mindestens 20 Jahre lang juristisch verantwortlich für eventuelle Schäden an Leib und Leben der Beschäftigten und Gäste gewesen. Und genau das will er ja angeblich vermeiden, indem er das Haus schließt. Hat er womöglich damals schon fahrlässig gehandelt?

Weder Frank Werneke, noch Frank Bsirske, noch Dina Bösch korrigierten diesen Unsinn. Warum auch, das hätte ja manche Delegierte nachdenklich machen können. Frank Werneke: „Es ist nicht Aufgabe dieses Podiums, Wortbeiträge von Delegierten zu kritisieren, auch wenn wir deren Aussagen inhaltlich nicht teilen.“ Eine Richtigstellung vorzunehmen, sei aus seiner Sicht nicht das Verständnis des Podiums.

Michael Große-Hovest, Vorsitzender des Landesbezirksfachbereichs 8 NRW, bezeichnete die Wortwahl „maroder Bruchbau“ als Unverschämtheit. Walter Brinkmann vom Ortsverein Detmold bezeichnete diese Beschreibungen als „Märchen“. Er lud die Gewerkschaftsrats-Kollegin ein, sie möge zeigen, wo Lage-Hörste eine „Bruchbude“ sei. Er verwies darauf, dass Investitionen in das Heinrich-Hansen-Haus Investitionen in die Zukunft der Gewerkschaftsarbeit seien, in das wichtigste Potenzial, „das wir haben, nämlich in die Bildung und in die Köpfe unserer Kolleginnen und Kollegen.“ Walter verlangte nach einer Erklärung, warum alle ver.di-Forderungen an die Politik, in Bildung und Infrastruktur zu investieren, „für uns als ver.di und hier für Lage-Hörste eben nicht gelten“. Wer Hörste schließen wolle, vernichte weiterhin gewerkschaftliche Bildungspotenziale und Kapazitäten.

Karin Wagner (FG VDP) betonte, es sei nicht möglich, die Arbeit von Hörste (besonders identifiziert mit dem Fachbereich 8) auf das rund 20 Kilometer entfernte Bunte Haus zu übertragen. Die Seminare müssen deshalb auf Bildungsstätten in Deutschland verteilt werden. „Und wer nur über eine Immobilie spricht, hat den Kolleginnen und Kollegen dort vor Ort, die zum Teil seit mehr als 30 Jahren dort arbeiten, nicht in die Augen geguckt und weiß nicht, wie es denen momentan geht. Ich finde, es ist eine verdammte Art und Weise von Wertschätzung, wenn man deren jahrelange Arbeit dadurch achtet, dass man dort vielleicht vorab eine Gewerkschaftsratssitzung im Haus gemacht hätte. Dann hätten die Leute mal gesehen, worüber sie eigentlich entscheiden. Das hätte mich gefreut“, sagte Karin unter Beifall.

Frank Bsirske scheute sich nicht, die Mär von der „besseren Auslastung“ bestehender durch Schließen anderer Bildungsstätten weiterzuverbreiten, Und schließlich behauptete Monika Brandl, der Gewerkschaftsrat habe es sich mit seiner Entscheidung „nicht leicht gemacht“. Das Gremium hatte im März generös beschlossen, Lage-Hörste weiterzubetreiben, wenn der Verein der „Freunde und Förderer der Bildungsstätte Lage-Hörste“ innerhalb von acht Wochen (!) mal eben mindestens 1,5 Millionen Euro Spenden einsammelt, um die Finanzierungslücke zu schließen. Der Gewerkschaftsrat hatte es also keinesfalls ernst gemeint, wohl wissend, dass seine Forderung kaum zu erfüllen sei. Der Förderverein hingegen hatte diese Finte erkannt, Aber die Mitglieder hatten erwartet, dass sie ernst genommen würden, wenn sie eine namhafte Summe zusammenbringen würden. Das war nicht der Fall, obwohl 230.000 Euro zusammengekommen waren, und mit einer derartigen Missachtung gewerkschaftlichen Engagements an der Basis durch GR und BuVo hatte niemand gerechnet.

Frank Werneke bestand weiter auf der Alternativlosigkeit der Schließung und schob wieder den Brandschutzsachverständigen vor, der den Weiterbetrieb von Hörste nur bis 31. Dezember 2015 mittrage.Dabei sind es die  Behörden, die Betriebserlaubnisse erteilen. Dazu nochmal Walter Brinkmann vom OV Detmold, der bei Gesprächen mit Verantwortlichen der Stadt Lage, der Kreisverwaltung Lippe und der Feuerwehr dabei war: „Alle haben in dieser Runde gesagt, was ver.di da einfordert an Brandschutzkonzept, ist die XXXL-Lösung. Wir als Kommune, wir als Keisverwaltung hätten nie und nimmer so ein Brandschutzkonzept eingefordert. Das genau hat die Investitionen in die Höhe getrieben bis ins Uferlose.“

Und genau das scheint der Plan zu sein: Ein Konzern will Geld sparen, beauftragt damit seine Revision, die ein Objekt samt Beschäftigten findet und es unter dem Vorwand von zu großen Kosten schließt. Unterscheidet sich ver.di von einem solchen Konzern? Der Betriebsrat in Hörste wurde offenbar nicht in den üblichen Fristen informiert, die „Teamer“ (freie Kursleiter) lange Zeit gar (oder überhaupt) nicht. Ein schnell durch die aktive Basis gegründeter Verein, der mit großem Engagement (wie ein Betriebsrat) einen „Unternehmensteil“ retten will, erfährt ähnlich wie ein Betriebsrat in der „freien Wirtschaft“ alle Widrigkeiten von Behinderung (steuerrechtliche Probleme, dürfen Gliederungen spenden, Verzögerung von Überweisungen, Zuständigkeit von BR und GBR) bis hin zur Köderung, eine bestimmte Summe zur Rettung aufzubringen (vergleichbar mit Opfern einer Belegschaft). Und wenn ein Beschäftigter/Gewerkschaftsmitglied aufmuckt, heißt es, die Streikkasse darf nicht angetastet werden.

Der Verein der Freunde und Förderer hat ein realistisches Konzept für Hörste vorgelegt. Ein Antrag auf Verlängerung der Betriebserlaubnis für zunächst etwa ein Jahr wäre notwendig und möglich gewesen. In diesem Zeitraum hätten weitere Gelder eingeworben werden können. Danach hätte man immer noch entscheiden können. Diese Chance wollten aber weder der Bundesvorstand noch die Mehrheit des Gewerkschaftsrates weder den Beschäftigten, noch der Einrichtung, noch dem Förderverein geben. Warum?

Die Anträge zu Lage-Hörste wurden beim Bundeskongress unter dem Stichwort abgelehnt: „erledigt durch Praxis und Zeitablauf“.

Offenbar gibt es schon Verhandlungen zwischen ver.di und Behörden zur „Umnutzung“ des Heinrich-Hansen-Hauses als Flüchtlingsunterkunft. Wir werden genau hinschauen, ob die angeblichen 4,5 Millionen Euro für den Brandschutz dann wirklich erforderlich werden. Aber dann ist ja der Bundesvorstand auch nicht mehr „verantwortlich“.

Michael Große-Hovest: „Erledigt ist die ganze Sache für uns nicht. Das war der letzte Satz. Ich danke für die Aufmerksamkeit.“

 

Fachbereiche im Bezirk Rhein-Neckar machen sich für Hörste stark

Bundesweiter Kita-Streik – (fast) versemmelt, bundesweiter Zusteller-Streik bei der Post – versemmelt. Viele Verdi-Mitglieder sind sauer. Manche überlegen ihren Austritt. Sie werden von ihren KollegInnen gewarnt, dass Austritte lediglich die Sache der ArbeitnehmerInnen schwäche und die Arbeitgeber stärke. Das kann aber auch bedeuten: Die Mitglieder von Verdi bleiben in ihrer Gewerkschaft – egal, was Bundesvorstand und Gewerkschaftsrat so anstellen. Der Poststreik, so wird kolportiert, habe zweistellige Millionenbeträge gekostet. Und erkennbar kaum etwas gebracht.

Aber zwei Millionen Euro in eine Bildungsstätte (also in die Zukunft der Gewerkschaft und ihrer Mitglieder) zu investieren, die sträflich vernachlässigt wurde, die soll es nicht geben. Dem Verein der Freunde und Förder der Bildungsstätte Lage-Hörste soll nicht einmal Zeit gegeben werden, sein Konzept umzusetzen. Es geht nicht darum, Hörste und Streiks gegeneinander auszuspielen. Aber ohne solide und breit angelegte gewerkschaftspolitische Bildung, ohne ein Konzept dazu und ohne gewerkschaftliche Bildungsstätten wird es mit Streiks künftig schwieriger werden.

Auch die Fachbereichsvorstände 08 und 05 im Bezirk Rhein-Neckar halten eine Schließung des Heinrich-Hansen-Hauses für falsch. Sie fordern, die Bildungsstätte bis mindestens Juni 2017 weiterzubetreiben. Damit hätte der Verein der Freunde und Förder die notwendige Zeit, sein Konzept umzusetzen. „Gerade das Heinrich-Hansen-Haus in Lage-Hörste als ver.di-Bildungsstätte ist Symbol für Eigeninitiative und kollektives gewerkschaftliches Engagement.“

Resolution_FB 08-05 Rhein-Neckar 20-07-15

Die Neue Westfälische berichtet über die Kritik der Bundesfachgruppe VDP am Schließungsbeschluss

Hörste bleibt auch in der Öffentlichkeit ein Thema. Die Kritik am Verhalten des ver.di-Bundesvorstandes und des Gewerkschaftsrates reißt nicht ab.

Dank an den Kollegen Brüggemann, der daran erinnert, dass der Deutsche Kulturrat das Heinrich-Hansen-Haus auf die Rote Liste bedrohter kultureller Einrichtungen gesetzt hat.

Dank an den Kollegen Brüggemann, der daran erinnert, dass der Deutsche Kulturrat das Heinrich-Hansen-Haus auf die Rote Liste bedrohter kultureller Einrichtungen gesetzt hat.

Scharfe Kritik der Bundesfachgruppe Verlage, Druck und Papier am ver.di-Bundesvorstand

So leicht werden sich ver.di-Bundesvorstand und die Mehrheit der Gewerkschaftsratsmitglieder nicht aus ihrer Verantwortung für ihren fatalen und unsäglichen Beschluss zum Aus für das Heinrich-Hansen-Haus in Lage-Hörste stehlen können. Der Bundesfachgruppen-Vorstand Verlage, Druck und Papier (BFGV VDP) hält die Schließung von Lage-Hörste für einen politischen Fehler. In einer ausführlichen Bewertung kommt er unter anderem zu folgenden Schlüssen:

  • Das Haftungsrisiko (im Brandfall) war ein vorgeschobenes Argument zur Schließung der Bildungsstätte Lage-Hörste.
  • Das Vorgehen der Gewerkschaftsführung widerspricht den Verhaltensregeln von ver.di.
  • Der Schließungsbeschluss ist ein Verstoß gegen die strategischen Ziele und die Bildungskonzeption von ver.di
  • Gute Arbeit wird nicht belohnt.
  • Die Kriterien der Bildungskonzeption von 2007 galten offenbar nicht mehr bei der Beschlussfassung durch den Bundesvorstand, Hörste zu schließen.

„Der Bundesfachgruppenvorstand Verlage, Druck und Papier wird alle Maßnahmen und Initiativen der Freunde und Förder unterstützen, die dem Haus Lage-Hörste ein Weiterbestehen ermöglichen“, heißt es abschließend. So schnell geben Gewerkschafter eben nicht auf. Mehr: BFGV_Stellungnahme_Schließung_Lage-Hoerste

AG Kunst und Kultur: Schließung „absolut falsches Signal“

Die Arbeitsgemeinschaft Kunst und Kultur in ver.di bekundet in einem Brief an den Förderverein ihre Solidarität. Sie bezeichnet den Beschluss des Gwerkschaftsrates als „absolut falsches Signal“ und  empfindet eine Schließung von Hörste als gegen ihre gewerkschaftliche Kulturarbeit gerichtet.

Der Brief im Wortlaut:

„Liebe Kolleginnen und Kollegen,

liebe Freundinnen und Freunde von Hörste,

 

im Namen der Kunstfachgruppenmitglieder in ver.di, vertreten durch die AG Kunst und Kultur, möchten wir euch unser ausdrückliches Bedauern über den Beschluss des Gewerkschaftsrates von ver.di vom 10. Mai 2015 mitteilen. Wir haben euren Einsatz für Lage-Hörste außerordentlich bewundert und schätzen alles, was ihr in so kurzer Zeit „auf die Beine“ gestellt habt. Das war in der Kürze der Zeit erstaunlich und beeindruckend. Wie andere Freundinnen und Freunde haben wir euch dabei nach Kräften unterstützt. Das bis zum Mai gesetzte Ziel konnte leider aus verschiedenen Gründen nicht erreicht werden. Wie aber im Initiativantrag von Gundula Lasch bei der Gewerkschaftsratssitzung zum Ausdruck kam, sind eigentlich noch viele Fragen offenen.

Wie auch ihr können wir uns nur schwerlich mit dem gefassten Beschluss abfinden, der ein absolut falsches Signal ist.

Die Gewerkschaften sind von Anfang an nicht nur eine ökonomische und tariflich orientierte Kraft gewesen, sondern haben auch immer Gesellschafts- und Kulturpolitik als ihre Aufgabe gesehen. Im Leitbild des DGB zur Kulturpolitik heißt es:

„Unsere Kulturpolitik zielt auf eine Verbesserung und zukunftsfähige Förderung der kulturellen Infrastruktur unseres Landes. Sie soll dazu beitragen, kulturelle Arbeitnehmerinteressen zu vertreten, gewerkschaftliches Bewusstsein zu stärken und demokratisches Engagement zu fördern. Die Bedeutung der künstlerischen Arbeit für die Gewerkschaften wird nicht am finanziellen Erfolg gemessen, sondern am kulturellen Mehrwert für die Gesellschaft.“

Dieser Positionierung des DGB hat sich auch ver.di angeschlossen. Als Aufgabenstellung heißt es dann weiter:

„Ziel unserer kulturpolitischen Arbeit ist es, möglichst allen Menschen die Teilhabe an Kultur und Kunst zu ermöglichen. Kulturelle Lebensqualität darf nicht das Privileg von Wohlhabenden und Bildungseliten sein. Es gilt, ein publikumsnahes und nachfrageorientiertes Angebot kultureller Veranstaltungen zu sichern.“

Bei dieser Positionierung und Aufgabenstellung war das Institut für Medien und Kunst (IMK) ein zentraler Faktor und eine wesentlich Kraft für die Kulturpolitik von ver.di. Mit dem Gewerkschaftsratsbeschluss vom Mai wird eine erfolgreiche Geschichte von mehr als 60 Jahren Arbeitnehmer-Bildung und Kulturarbeit beendet.

Damit wollen wir uns wie auch ihr nicht abfinden. Bitte lasst uns wissen, was ihr weiterhin tun werdet, um Hörste als kultur-, medien- und gesellschaftspolitisches Zentrum für die Gewerkschaft zu erhalten.

Als Kunst und Kulturbeauftragte sehe ich unsere Aufgabe auch darin auf die Aufhebung der Trennung von Kultur und Arbeit hinzuwirken. Kulturelle Bildung ist nichts, worauf man selbst im Ernstfall verzichten könnte, sondern ein wesentliches Emanzipationspotential. Kampfbereitschaft und Protestbegeisterung beziehen ihre Kräftepotentiale nicht nur aus der Hoffnung auf materiellen Gewinn, sondern auch aus aktiver gewerkschaftlicher Kulturtarbeit. Dafür war und ist die Bildungsstätte in Lage-Hörste ein zentraler Kommunikationsort.

Ihre Schließung empfinden wir als gegen unsere gewerkschaftliche Kulturarbeit gerichtet, die eine wichtige gesellschaftliche Integrationsfunktion hat, und bei der die Gewerkschaftsmitglieder auf neue Zukunftsperspektiven stoßen können.

Mit solidarischen Grüßen an Euch und alle Freundinnen und Freunde von Lage-Hörste!

gez. Regine Möbius                                       gez. Heinrich Bleicher-Nagelsmann“

Der Bericht für den Gewerkschaftsrat

Leicht gekürzte Fassung

Sachstandsbericht des Vereins Freunde und Förderer der
Bildungsstätte Lage-Hörste zur Fortführung des Heinrich-Hansen-Hauses
für den Gewerkschaftsrat

A. Vorbemerkung

Frank Bsirske hat zum 50-jährigen Bestehen des Heinrich-Hansen-Hauses 2004 geschrieben: „Es gilt nach wie vor, die Demokratisierung aller gesellschaftlichen Bereiche voranzutreiben. Dafür sind die Wissensvermittlung und eine Einsicht in gesellschaftliche Zusammenhänge unverzichtbar; nur darüber ist es möglich, so etwas wie Weiterlesen