Offener Brief an ver.di publik: Bravo, Gewerkschaftsrat!

Offener Brief an ver.di publik bezugnehmend auf den Bundeskongress zum Thema Lage-Hörste:

„Mein Name ist Peter Reinold, als Ortsvereinsvorsitzender Fachbereich 8 Bielefeld und Mitglied im Verein der Freunde und Förderer der Bildungsstäte Lage-Hörste e. V. konnte ich mich wegen Krankheit und Urlaub nicht äußern zu den Aussagen der Kollegin („maroder Bruchbau“) und des Kollegen „Mir standen die Haare zu Berge . . . ich glaube, ich würde allerhand tun, damit meine Kolleginnen und Kollegen dort nicht mehr arbeiten. Das ist einfach aus gesundheitlicher Sicht nicht mehr tragbar gewesen. Ich war etwas erschüttert, dass in einer gewerkschaftlichen Einrichtung so etwas passieren kann.“ Was ist denn passiert?

Ich hoffe, dass der Kollege in der richtigen Bildungsstätte Lage-Hörste war!

Anlässlich des 60-jähigen Bestehens (2014) habe ich mich dahingehend geäußert, dass die Bildungsstätte mein zweites Wohnzimmer (marode Bruchbude?) ist und ich dort auch gegautscht worden bin. Bis heute habe ich kein Leiden erlitten! Im November 2015 werde ich an den Druckertagen, ebenso am Zeitungsseminar Technik teilnehmen. Gerne unterziehe ich mich nach dem Seminar einem Gesundheitscheck.

Die Kolleginnen und Kollegen, die sich jahrelang um das Haus bemüht haben, sind sauer, gelinde gesagt.

Die Entscheidung des Gewerkschaftsrates vom 11. Mai 2015, das Haus zu schließen, wird mancher Betriebsrätin und manchem Betriebsrat die Arbeit erschweren.

Die Arbeitgeber werden als Argument anführen, dass sich die Gewerkschaft genau so verhält wie mancher Arbeitgeber.

Bravo, KollegInnen vom Gewerkschaftsrat. Sehr praxisnah!

Den liebgewonnenen KollegInnen kann man jetzt nur viel Glück und Gesundheit wünschen für die Zukunft.

Gott grüß‘ die Kunst

Peter Reinold
(Mitglied des Bundesfachgruppenvorstandes Verlage, Druck und Papier)

Anmerkung: Natürlich hat Peter wie alle anderen Teilnehmer und Beschäftigten in Lage-Hörste in den vergangenen 60 Jahren alle Seminare, Sitzungen und Konferenzen unbeschadet an Leib und Seele „überstanden“!

Teile das mit Freunden:Email this to someoneShare on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+

Lage-Hörste: „erledigt durch Praxis und Zeitablauf“?

Kritik am Schließungsbeschluss für Lage-Hörste gab es natürlich beim ver.di-Bundeskongress insbesondere aus dem Fachbereich 8, und wieder hatten die Kolleginnen und Kollegen mit Überheblichkeit und (vermeintlichem) Unwissen von Delegierten zu tun. Eine Kollegin aus dem Gewerkschaftsrat verstieg sich zu der Feststellung: „. . . das Geld wäre bei der Jugend besser aufgehoben als bei einem maroden Bruchbau.“ Diese Kollegin kann in den abgelaufenen 20 Jahren nicht im Heinrich-Hansen-Haus gewesen sein, oder sie leidet unter Wahrnehmungsstörungen. Ein weiterer Kollege aus dem Gewerkschaftsrat behauptete mal eben so, „dass Lage-Hörste ja nicht die beste Entwicklung in den letzten Jahren hatte.“ Alle Beteiligten wissen, dass das nicht stimmt. Hat sich das nicht bis zum Gewerkschaftsrat herumgesprochen?

Und dann stellte sich einer ans Mikrofon und sagte: „. . . ich habe das Haus besichtigt, und ich kann Euch eines sagen: Mir standen die Haare zu Berge. Wäre ich Betriebsrat in einer solchen Einrichtung oder würde so etwas in meiner Einrichtung passieren, ich glaube, ich würde allerhand tun, damit meine Kolleginnnen und Kollegen dort nicht mehr arbeiten. Das ist einfach aus gesundheitlicher Sicht nicht mehr tragbar gewesen. Ich war erschüttert, dass in einer gewerkschaftlichen Einrichtung so etwas passieren kann.“
Keine Ahnung, wo der Kollege war – in Hörste jedenfalls nicht. Wenn das stimmt, was er sich da zusammenphantasiert hatte, dann wäre der Bundesvorstand mindestens 20 Jahre lang juristisch verantwortlich für eventuelle Schäden an Leib und Leben der Beschäftigten und Gäste gewesen. Und genau das will er ja angeblich vermeiden, indem er das Haus schließt. Hat er womöglich damals schon fahrlässig gehandelt?

Weder Frank Werneke, noch Frank Bsirske, noch Dina Bösch korrigierten diesen Unsinn. Warum auch, das hätte ja manche Delegierte nachdenklich machen können. Frank Werneke: „Es ist nicht Aufgabe dieses Podiums, Wortbeiträge von Delegierten zu kritisieren, auch wenn wir deren Aussagen inhaltlich nicht teilen.“ Eine Richtigstellung vorzunehmen, sei aus seiner Sicht nicht das Verständnis des Podiums.

Michael Große-Hovest, Vorsitzender des Landesbezirksfachbereichs 8 NRW, bezeichnete die Wortwahl „maroder Bruchbau“ als Unverschämtheit. Walter Brinkmann vom Ortsverein Detmold bezeichnete diese Beschreibungen als „Märchen“. Er lud die Gewerkschaftsrats-Kollegin ein, sie möge zeigen, wo Lage-Hörste eine „Bruchbude“ sei. Er verwies darauf, dass Investitionen in das Heinrich-Hansen-Haus Investitionen in die Zukunft der Gewerkschaftsarbeit seien, in das wichtigste Potenzial, „das wir haben, nämlich in die Bildung und in die Köpfe unserer Kolleginnen und Kollegen.“ Walter verlangte nach einer Erklärung, warum alle ver.di-Forderungen an die Politik, in Bildung und Infrastruktur zu investieren, „für uns als ver.di und hier für Lage-Hörste eben nicht gelten“. Wer Hörste schließen wolle, vernichte weiterhin gewerkschaftliche Bildungspotenziale und Kapazitäten.

Karin Wagner (FG VDP) betonte, es sei nicht möglich, die Arbeit von Hörste (besonders identifiziert mit dem Fachbereich 8) auf das rund 20 Kilometer entfernte Bunte Haus zu übertragen. Die Seminare müssen deshalb auf Bildungsstätten in Deutschland verteilt werden. „Und wer nur über eine Immobilie spricht, hat den Kolleginnen und Kollegen dort vor Ort, die zum Teil seit mehr als 30 Jahren dort arbeiten, nicht in die Augen geguckt und weiß nicht, wie es denen momentan geht. Ich finde, es ist eine verdammte Art und Weise von Wertschätzung, wenn man deren jahrelange Arbeit dadurch achtet, dass man dort vielleicht vorab eine Gewerkschaftsratssitzung im Haus gemacht hätte. Dann hätten die Leute mal gesehen, worüber sie eigentlich entscheiden. Das hätte mich gefreut“, sagte Karin unter Beifall.

Frank Bsirske scheute sich nicht, die Mär von der „besseren Auslastung“ bestehender durch Schließen anderer Bildungsstätten weiterzuverbreiten, Und schließlich behauptete Monika Brandl, der Gewerkschaftsrat habe es sich mit seiner Entscheidung „nicht leicht gemacht“. Das Gremium hatte im März generös beschlossen, Lage-Hörste weiterzubetreiben, wenn der Verein der „Freunde und Förderer der Bildungsstätte Lage-Hörste“ innerhalb von acht Wochen (!) mal eben mindestens 1,5 Millionen Euro Spenden einsammelt, um die Finanzierungslücke zu schließen. Der Gewerkschaftsrat hatte es also keinesfalls ernst gemeint, wohl wissend, dass seine Forderung kaum zu erfüllen sei. Der Förderverein hingegen hatte diese Finte erkannt, Aber die Mitglieder hatten erwartet, dass sie ernst genommen würden, wenn sie eine namhafte Summe zusammenbringen würden. Das war nicht der Fall, obwohl 230.000 Euro zusammengekommen waren, und mit einer derartigen Missachtung gewerkschaftlichen Engagements an der Basis durch GR und BuVo hatte niemand gerechnet.

Frank Werneke bestand weiter auf der Alternativlosigkeit der Schließung und schob wieder den Brandschutzsachverständigen vor, der den Weiterbetrieb von Hörste nur bis 31. Dezember 2015 mittrage.Dabei sind es die  Behörden, die Betriebserlaubnisse erteilen. Dazu nochmal Walter Brinkmann vom OV Detmold, der bei Gesprächen mit Verantwortlichen der Stadt Lage, der Kreisverwaltung Lippe und der Feuerwehr dabei war: „Alle haben in dieser Runde gesagt, was ver.di da einfordert an Brandschutzkonzept, ist die XXXL-Lösung. Wir als Kommune, wir als Keisverwaltung hätten nie und nimmer so ein Brandschutzkonzept eingefordert. Das genau hat die Investitionen in die Höhe getrieben bis ins Uferlose.“

Und genau das scheint der Plan zu sein: Ein Konzern will Geld sparen, beauftragt damit seine Revision, die ein Objekt samt Beschäftigten findet und es unter dem Vorwand von zu großen Kosten schließt. Unterscheidet sich ver.di von einem solchen Konzern? Der Betriebsrat in Hörste wurde offenbar nicht in den üblichen Fristen informiert, die „Teamer“ (freie Kursleiter) lange Zeit gar (oder überhaupt) nicht. Ein schnell durch die aktive Basis gegründeter Verein, der mit großem Engagement (wie ein Betriebsrat) einen „Unternehmensteil“ retten will, erfährt ähnlich wie ein Betriebsrat in der „freien Wirtschaft“ alle Widrigkeiten von Behinderung (steuerrechtliche Probleme, dürfen Gliederungen spenden, Verzögerung von Überweisungen, Zuständigkeit von BR und GBR) bis hin zur Köderung, eine bestimmte Summe zur Rettung aufzubringen (vergleichbar mit Opfern einer Belegschaft). Und wenn ein Beschäftigter/Gewerkschaftsmitglied aufmuckt, heißt es, die Streikkasse darf nicht angetastet werden.

Der Verein der Freunde und Förderer hat ein realistisches Konzept für Hörste vorgelegt. Ein Antrag auf Verlängerung der Betriebserlaubnis für zunächst etwa ein Jahr wäre notwendig und möglich gewesen. In diesem Zeitraum hätten weitere Gelder eingeworben werden können. Danach hätte man immer noch entscheiden können. Diese Chance wollten aber weder der Bundesvorstand noch die Mehrheit des Gewerkschaftsrates weder den Beschäftigten, noch der Einrichtung, noch dem Förderverein geben. Warum?

Die Anträge zu Lage-Hörste wurden beim Bundeskongress unter dem Stichwort abgelehnt: „erledigt durch Praxis und Zeitablauf“.

Offenbar gibt es schon Verhandlungen zwischen ver.di und Behörden zur „Umnutzung“ des Heinrich-Hansen-Hauses als Flüchtlingsunterkunft. Wir werden genau hinschauen, ob die angeblichen 4,5 Millionen Euro für den Brandschutz dann wirklich erforderlich werden. Aber dann ist ja der Bundesvorstand auch nicht mehr „verantwortlich“.

Michael Große-Hovest: „Erledigt ist die ganze Sache für uns nicht. Das war der letzte Satz. Ich danke für die Aufmerksamkeit.“

 

Teile das mit Freunden:Email this to someoneShare on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+

Fachbereiche im Bezirk Rhein-Neckar machen sich für Hörste stark

Bundesweiter Kita-Streik – (fast) versemmelt, bundesweiter Zusteller-Streik bei der Post – versemmelt. Viele Verdi-Mitglieder sind sauer. Manche überlegen ihren Austritt. Sie werden von ihren KollegInnen gewarnt, dass Austritte lediglich die Sache der ArbeitnehmerInnen schwäche und die Arbeitgeber stärke. Das kann aber auch bedeuten: Die Mitglieder von Verdi bleiben in ihrer Gewerkschaft – egal, was Bundesvorstand und Gewerkschaftsrat so anstellen. Der Poststreik, so wird kolportiert, habe zweistellige Millionenbeträge gekostet. Und erkennbar kaum etwas gebracht.

Aber zwei Millionen Euro in eine Bildungsstätte (also in die Zukunft der Gewerkschaft und ihrer Mitglieder) zu investieren, die sträflich vernachlässigt wurde, die soll es nicht geben. Dem Verein der Freunde und Förder der Bildungsstätte Lage-Hörste soll nicht einmal Zeit gegeben werden, sein Konzept umzusetzen. Es geht nicht darum, Hörste und Streiks gegeneinander auszuspielen. Aber ohne solide und breit angelegte gewerkschaftspolitische Bildung, ohne ein Konzept dazu und ohne gewerkschaftliche Bildungsstätten wird es mit Streiks künftig schwieriger werden.

Auch die Fachbereichsvorstände 08 und 05 im Bezirk Rhein-Neckar halten eine Schließung des Heinrich-Hansen-Hauses für falsch. Sie fordern, die Bildungsstätte bis mindestens Juni 2017 weiterzubetreiben. Damit hätte der Verein der Freunde und Förder die notwendige Zeit, sein Konzept umzusetzen. „Gerade das Heinrich-Hansen-Haus in Lage-Hörste als ver.di-Bildungsstätte ist Symbol für Eigeninitiative und kollektives gewerkschaftliches Engagement.“

Resolution_FB 08-05 Rhein-Neckar 20-07-15

Teile das mit Freunden:Email this to someoneShare on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+

Die Neue Westfälische berichtet über die Kritik der Bundesfachgruppe VDP am Schließungsbeschluss

Hörste bleibt auch in der Öffentlichkeit ein Thema. Die Kritik am Verhalten des ver.di-Bundesvorstandes und des Gewerkschaftsrates reißt nicht ab.

Dank an den Kollegen Brüggemann, der daran erinnert, dass der Deutsche Kulturrat das Heinrich-Hansen-Haus auf die Rote Liste bedrohter kultureller Einrichtungen gesetzt hat.

Dank an den Kollegen Brüggemann, der daran erinnert, dass der Deutsche Kulturrat das Heinrich-Hansen-Haus auf die Rote Liste bedrohter kultureller Einrichtungen gesetzt hat.

Teile das mit Freunden:Email this to someoneShare on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+

Scharfe Kritik der Bundesfachgruppe Verlage, Druck und Papier am ver.di-Bundesvorstand

So leicht werden sich ver.di-Bundesvorstand und die Mehrheit der Gewerkschaftsratsmitglieder nicht aus ihrer Verantwortung für ihren fatalen und unsäglichen Beschluss zum Aus für das Heinrich-Hansen-Haus in Lage-Hörste stehlen können. Der Bundesfachgruppen-Vorstand Verlage, Druck und Papier (BFGV VDP) hält die Schließung von Lage-Hörste für einen politischen Fehler. In einer ausführlichen Bewertung kommt er unter anderem zu folgenden Schlüssen:

  • Das Haftungsrisiko (im Brandfall) war ein vorgeschobenes Argument zur Schließung der Bildungsstätte Lage-Hörste.
  • Das Vorgehen der Gewerkschaftsführung widerspricht den Verhaltensregeln von ver.di.
  • Der Schließungsbeschluss ist ein Verstoß gegen die strategischen Ziele und die Bildungskonzeption von ver.di
  • Gute Arbeit wird nicht belohnt.
  • Die Kriterien der Bildungskonzeption von 2007 galten offenbar nicht mehr bei der Beschlussfassung durch den Bundesvorstand, Hörste zu schließen.

„Der Bundesfachgruppenvorstand Verlage, Druck und Papier wird alle Maßnahmen und Initiativen der Freunde und Förder unterstützen, die dem Haus Lage-Hörste ein Weiterbestehen ermöglichen“, heißt es abschließend. So schnell geben Gewerkschafter eben nicht auf. Mehr: BFGV_Stellungnahme_Schließung_Lage-Hoerste

Teile das mit Freunden:Email this to someoneShare on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+

AG Kunst und Kultur: Schließung „absolut falsches Signal“

Die Arbeitsgemeinschaft Kunst und Kultur in ver.di bekundet in einem Brief an den Förderverein ihre Solidarität. Sie bezeichnet den Beschluss des Gwerkschaftsrates als „absolut falsches Signal“ und  empfindet eine Schließung von Hörste als gegen ihre gewerkschaftliche Kulturarbeit gerichtet.

Der Brief im Wortlaut:

„Liebe Kolleginnen und Kollegen,

liebe Freundinnen und Freunde von Hörste,

 

im Namen der Kunstfachgruppenmitglieder in ver.di, vertreten durch die AG Kunst und Kultur, möchten wir euch unser ausdrückliches Bedauern über den Beschluss des Gewerkschaftsrates von ver.di vom 10. Mai 2015 mitteilen. Wir haben euren Einsatz für Lage-Hörste außerordentlich bewundert und schätzen alles, was ihr in so kurzer Zeit „auf die Beine“ gestellt habt. Das war in der Kürze der Zeit erstaunlich und beeindruckend. Wie andere Freundinnen und Freunde haben wir euch dabei nach Kräften unterstützt. Das bis zum Mai gesetzte Ziel konnte leider aus verschiedenen Gründen nicht erreicht werden. Wie aber im Initiativantrag von Gundula Lasch bei der Gewerkschaftsratssitzung zum Ausdruck kam, sind eigentlich noch viele Fragen offenen.

Wie auch ihr können wir uns nur schwerlich mit dem gefassten Beschluss abfinden, der ein absolut falsches Signal ist.

Die Gewerkschaften sind von Anfang an nicht nur eine ökonomische und tariflich orientierte Kraft gewesen, sondern haben auch immer Gesellschafts- und Kulturpolitik als ihre Aufgabe gesehen. Im Leitbild des DGB zur Kulturpolitik heißt es:

„Unsere Kulturpolitik zielt auf eine Verbesserung und zukunftsfähige Förderung der kulturellen Infrastruktur unseres Landes. Sie soll dazu beitragen, kulturelle Arbeitnehmerinteressen zu vertreten, gewerkschaftliches Bewusstsein zu stärken und demokratisches Engagement zu fördern. Die Bedeutung der künstlerischen Arbeit für die Gewerkschaften wird nicht am finanziellen Erfolg gemessen, sondern am kulturellen Mehrwert für die Gesellschaft.“

Dieser Positionierung des DGB hat sich auch ver.di angeschlossen. Als Aufgabenstellung heißt es dann weiter:

„Ziel unserer kulturpolitischen Arbeit ist es, möglichst allen Menschen die Teilhabe an Kultur und Kunst zu ermöglichen. Kulturelle Lebensqualität darf nicht das Privileg von Wohlhabenden und Bildungseliten sein. Es gilt, ein publikumsnahes und nachfrageorientiertes Angebot kultureller Veranstaltungen zu sichern.“

Bei dieser Positionierung und Aufgabenstellung war das Institut für Medien und Kunst (IMK) ein zentraler Faktor und eine wesentlich Kraft für die Kulturpolitik von ver.di. Mit dem Gewerkschaftsratsbeschluss vom Mai wird eine erfolgreiche Geschichte von mehr als 60 Jahren Arbeitnehmer-Bildung und Kulturarbeit beendet.

Damit wollen wir uns wie auch ihr nicht abfinden. Bitte lasst uns wissen, was ihr weiterhin tun werdet, um Hörste als kultur-, medien- und gesellschaftspolitisches Zentrum für die Gewerkschaft zu erhalten.

Als Kunst und Kulturbeauftragte sehe ich unsere Aufgabe auch darin auf die Aufhebung der Trennung von Kultur und Arbeit hinzuwirken. Kulturelle Bildung ist nichts, worauf man selbst im Ernstfall verzichten könnte, sondern ein wesentliches Emanzipationspotential. Kampfbereitschaft und Protestbegeisterung beziehen ihre Kräftepotentiale nicht nur aus der Hoffnung auf materiellen Gewinn, sondern auch aus aktiver gewerkschaftlicher Kulturtarbeit. Dafür war und ist die Bildungsstätte in Lage-Hörste ein zentraler Kommunikationsort.

Ihre Schließung empfinden wir als gegen unsere gewerkschaftliche Kulturarbeit gerichtet, die eine wichtige gesellschaftliche Integrationsfunktion hat, und bei der die Gewerkschaftsmitglieder auf neue Zukunftsperspektiven stoßen können.

Mit solidarischen Grüßen an Euch und alle Freundinnen und Freunde von Lage-Hörste!

gez. Regine Möbius                                       gez. Heinrich Bleicher-Nagelsmann“

Teile das mit Freunden:Email this to someoneShare on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+

Das Nein folgte auf diesen Antrag

Offenbar glauben einige der hier Kommentierenden und Mitlesenden, dass der Gewerkschaftsrat am Montag über eine Ausgabe in Höhe von 3,5 Mio. Euro entschieden hat. Das ist falsch. Abgelehnt hat der Gewerkschaftsrat einen Initiativantrag, der dem Verein Freunde und Förderer der Bildungsstätte Lage-Hörste mehr Zeit gegeben hätte, nämlich bis November.
ver.di hätte dadurch keine Mehrkosten gehabt. Außerdem hatte der Verein durch die verschiedenen Bausteine seines Konzeptes innerhalb von acht Woche schon mehr als 900.000 Euro zusammen, selbst die böswilligsten Rechner hätten nicht auf weniger als 600.000 Euro kommen können. Es ist absehbar gewesen, dass auch der Rest der geforderten Summe noch zusammen gekommen wäre.

Hier der
Initiativantrag von GR-­Mitglied Gundula Lasch

Zeitvorlauf für Lösungen für die Bildungsstätte Lage‐Hörste schaffen

Bezugnahmen auf die am 10. Mai versandte Stellungnahme der Ressorts 3, 4 und 6 vom 09.05.2015, den Bericht des Vereins „Freunde und Förderer der Bildungsstätte Lage-­Hörste“ vom 04.05.2015 sowie zahlreiche aktuelle Beschlüsse aus Konferenzen und Positionspapiere von Gliederungen zum Erhalt der ver.di-­Bildungsstätte in Lage-­Hörste, fordere ich den Gewerkschaftsrat auf:

+ Die Wirkung des Beschlusses GR 1186 bis nach dem ver.di‐Bundeskongress im September 2015 auszusetzen und dem neu gewählten Gewerkschaftsrat die endgültige Beschlussfassung über Fortbestand oder Schließung der ver.di-­Bildungsstätte Lage-­‐Hörste zu überlassen.

+ Den Bundesvorstand zu beauftragen, offenbar bislang nicht erfolgte Prüfungen von baulichen Alternativen bis zum Jahresende vorzunehmen und den (nach Fachauskunft durchaus realisierbaren) Weiterbetrieb der Bildungsstätte über den 31.12.2015 hinaus zu ermöglichen.

+ Den Bundesvorstand zu beauftragen, ein den aktuellen Erfordernissen angepasstes Bildungs-­ und Bildungsstättenkonzept als Grundlage für Entscheidungen hinsichtlich aller Bildungsstätten zu erarbeiten.

+ Dem Verein „Freunde und Förderer“ die notwendige Zeit einzuräumen, um die erfolgreiche Spendensammlung fortzuführen und weitere Finanzierungsquellen ausfindig zu machen.

Begründung:

Es gibt augenfällige Unstimmigkeiten zwischen dem Ergebnispapier des Vereins „Freunde und Förderer“ und der Stellungnahme der Ressorts 3, 4 und 6 vor allem hinsichtlich der seitens des Bundesvorstandes „alternativlosen“ Lösungen und Kosten für den Brandschutz: Nach meinen Recherchen gibt es sowohl von der Stadt Lage als auch dem Kreis Lippe die Zusage, dass die Bildungsstätte in Lage-­Hörste auch über den 31.12.2015 hinaus betrieben werden kann, wenn die geschaffenen Interimslösungen für den Brandschutz funktionieren. Es müsse lediglich ein sich anschließender neuer Bauantrag für Brandschutz-­ und Umbaumaßnahmen gestellt werden. Der Kreistag des Landkreises Lippe hat sich in einem Beschluss ausdrücklich zum Erhalt der Bildungsstätte in Lage-­Hörste bekannt.

In einem vertraulichen Gespräch mit einer Ingenieurin vom Bau-­ und Liegenschaftsbetrieb NRW in Dortmund konnte ich erfahren, dass man „mit den jetzigen Brandschutzbestimmungen den größten Teil der Gebäude im Bestand niederreißen“ könne, in Deutschland beträfe das ca. 90 Prozent der Gebäude im Bestand. Die Expertin machte darauf aufmerksam, dass im konkreten Fall Lage-­Hörste der so genannte kompensatorische Brandschutz vorgenommen werden könne, um die Behebung der baulichen Mängel im Bestand über drei Jahre zu Strecken. Bis zur Fertigstellung könnten die baulichen Brandschutzmängel durch flankierende Maßnahmen, z.B. mehr Rauchmelder, kompensiert werden.

Sollte es Differenzen zwischen der IVG und dem von ihr beauftragten Brandschutzsachverständigen (der lt. Stellungnahme die vorläufigen Maßnahmen zum Brandschutz über den 31.12.2015 hinaus nicht mitträgt) geben, können diese bei der Schlichtungsstelle des Landesliegenschaftsamtes NRW (Bau-­ und Liegenschaftsbetrieb NRW, BLB NRW, Emil-­Figge-­Straße 91, 44227 Dortmund) vorgetragen werden.
Von dieser staatlichen Behörde ist ganz gewiss nicht zu erwarten, dass ein „Gefälligkeitsgutachten“ erstellt würde. Es drängt sich die Frage auf, warum ver.di bzw. IVG diese Möglichkeit bislang nicht genutzt haben.
Die Kosten, die für die baulichen Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Brandschutz ausgerechnet wurden, rund 3 Mio. Euro, können ohne ein neutrales Gutachten nicht als gegeben angenommen werden.

Im Punkt 2 der Stellungnahme der BV-­‐Ressorts 3, 4 und 6 wird ausdrücklich auf die Bildungsstätten-­Konzeption für alle zehn ver.di-Bildungszentren aus dem Jahre 2007 verwiesen: „Die Weiterentwicklung der ver.di-­‐Bildungsstätten und ihrer Angebote dient dem Ziel, ver.di als gesellschaftliche Kraft zu stärken. Dem liegt ein detailliertes Bildungsstättenkonzept zugrunde, dass von den hauptamtlichen Verantwortlichen entwickelt wurde.“ (beraten und beschlossen vom Gewerkschaftsrat am 07.03.2007). In der bisherigen Diskussion war immer wieder das Argument angeführt worden, dass sich die Bildungslandschaft in den letzten Jahren gravierend verändert habe. Dann ist es an der Zeit, das Bildungs-­ und Bildungsstättenkonzept an die aktuellen betrieblichen, gesellschaftlichen, finanziellen und vor allem (gewerkschafts-‐)politischen Erfordernisse anzupassen. Dies sollte erfolgen, bevor man über Bestand oder Schließung von Bildungsstätten entscheidet.

Wir als Mitglieder des Gewerkschaftsrats tragen große Verantwortung.
Denn es obliegt nicht dem Bundesvorstand allein, seinen politischen Willen für den Erhalt oder die Schließung der Bildungsstätte Lage-­Hörste in Taten umzumünzen. Wir sind das Gremium, das zwischen den Kongressen den Kurs unserer Gewerkschaft bestimmt.
Wir können die einzigartige Bewegung, die seit Bekanntwerden der Schließungspläne für den Erhalt der Bildungsstätte entstanden ist, nicht ignorieren: Tausende ver.di-­Mitglieder, Menschen aus der Region und Freunde des Hauses engagieren sich für dessen Erhalt, sammelten in kürzester Zeit über 200.000 Euro Spenden. Nicht zuletzt deshalb meine ich: Wir sollten nicht gegen die Interessen einer großen Zahl unserer Kolleginnen und Kollegen entscheiden.
Vielmehr sollten wir als „alter“ Gewerkschaftsrat eine Beschlussfassung vom Vorliegen eines aktuellen Bildungs-­ und Bildungsstättenkonzeptes abhängig machen. Und: Da ein Beschluss über Fortbestand oder Schließung einer unserer Bildungsstätten Auswirkungen auf lange Sicht haben wird, sollte eine solche Entscheidung von einem Gremium gefällt werden, das in den nächsten vier Jahren die Verantwortung trägt.

Teile das mit Freunden:Email this to someoneShare on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+

Gewerkschaftsrat bekräftigt das Aus

Mangelndes politisches Bewusstsein: Der Gewerkschaftsrat hat sein Aus für die Bildungsstätte bekräftigt.

Mangelndes politisches Bewusstsein: Der Gewerkschaftsrat hat sein Aus für die Bildungsstätte bekräftigt.

Die gewerkschaftliche Bildungsstätte Lage-Hörste wird nach 61 Jahren geschlossen. Abgekämpft, enttäuscht und mit großem Zorn hat der Verein Freunde und Förderer der Bildungsstätte Lage-Hörste die gestrige Entscheidung des Gewerkschaftsrates aufgenommen.

Das höchste Gremium der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di hat in seiner Sitzung am Montag, 11. Mai 2015, das Aus zum 31. Dezember 2015 besiegelt. Grund sind angebliche Sanierungskosten in Höhe von 3,5 Millionen Euro für eine Anpassung des Brandschutzes, die ver.di nicht zu zahlen bereit ist. In dem 1954 in Eigenleistung von Mitgliedern der damaligen Gewerkschaft Druck und Papier errichteten Haus arbeiten 25 zum Teil langjährige Beschäftigte sowie zahlreiche freiberufliche Kurs- und Seminarleiter.

Der Gewerkschaftsrat hatte dem Verein der „Freunde und Förderer der Bildungsstätte Lage-Hörste“ zuvor eine Frist von knapp acht Wochen eingeräumt, damit dessen Mitglieder mindestens 1,5 Millionen Euro Spenden einsammeln, um die Finanzierungslücke zu schließen. Mit Stolz blickt der Verein auf eine Spendensumme von rund 230.000 Euro. Er hatte zahlreiche Initiativen entwickelt, um den Weiterbetrieb des Hauses für die Zukunft zu sichern. Dazu gehören Kosteneinsparungen bei den Investitionen, Beiträge der Beschäftigten sowie eine Erhöhung der Belegungszahlen.
Der Deutsche Kulturrat hatte erst vor wenigen Tagen das Heinrich-Hansen-Haus, so der Name der Bildungsstätte, auf die Rote Liste bedrohter Kultureinrichtungen gesetzt.

Aus Sicht des Vereins hat der ver.di-Bundesvorstand von Anfang an die Schließung der Bildungsstätte betrieben und dabei versucht, diese Schließung als „alternativlos“ darzustellen. Der Verein der Freunde und Förderer hatte eine Fristverlängerung für die provisorischen Brandschutzmaßnahmen (Außentreppe, Brandmelder, Löschwassertank) vorgeschlagen, um mehr Zeit zu erhalten, sein Konzept weiterzuentwickeln und weitere Spenden einzuwerben. Das lehnten Gewerkschaftsrat und Bundesvorstand ab.

ver.di hat versäumt, mit dem Verein konstruktiv über seinen Sachstandsbericht zu sprechen. „Daraus erkennen wir, dass weder Bundesvorstand noch Gewerkschaftsrat jemals ein Interesse an einer Lösung jenseits der Schließung hatten“, sagt Vereinsvorsitzende Stephie Karger. „Die Gewerkschaft legt hier leider jenes gewinnorientierte Verhalten von Konzernen und Unternehmen an den Tag, das sie selbst und die – auch in Hörste geschulten – Betriebsräte in ihrer täglichen Arbeit im Sinne der Beschäftigten zu korrigieren und zu verändern versuchen.“
In Hörste werde mit einem Federstrich die erfolgreiche Geschichte von mehr als 60 Jahren Arbeitnehmer-Bildung beendet.

Das Verhalten von ver.di widerspreche dem Grundsatzgedanken der Gewerkschaft, Probleme offen, solidarisch und gemeinsam zu lösen. „Hier werden Hunderte von Spendern und Aktiven, Mitglieder und Förderer vor den Kopf gestoßen“, sagt Karger. „Ein solches Verhalten“, so der Verein, „schädigt ver.di in ihren Grundfesten.“

Der Verein wird weiterarbeiten, zunächst die Beschäftigten in den verbleibenden Monaten mit Rat und Tat begleiten, aber auch andere Möglichkeiten zu einer Rettung ausloten. Die Spenden auf den Konten werden je nach Sachlage, wie zugesagt, an die Spender zurückgezahlt.

Teile das mit Freunden:Email this to someoneShare on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+

Aktueller Spendenstand

Lachende Kinder in Bewegung spielen zusammen in der Natur

Yippiiie! Die 150.000 Euro sind geknackt!

Auf unserem Spendenkonto sind bereits 195.110,24 € eingegangen.
Stand: 8. Mai

Wir laufen stramm auf die 200.000 Euro zu. Danke Euch allen, die Ihr unsere Links teilt, selbst spendet und unsere Aktion zum Teil mit großem persönlichen Einsatz unterstützt! Bitte macht weiter damit.

Teile das mit Freunden:Email this to someoneShare on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+

Heute berät der Gewerkschaftsrats

Bildschirmfoto 2015-05-11 um 12.35.19Am heutigen Montag, 11. Mai, berät der Gewerkschaftsrat ab 15 Uhr das Thema Bildungsstätte Heinrich-Hansen-Haus in Lage-Hörste. Der Gesamtbetriebsrat (GBR) hat – ebenfalls heute – allen ver.di-Beschäftigten seine Publikation „Durchblick“ geschickt. Der Bildungsstätte ist darin eine ganze Seite im Anhang gewidmet. Darin ruft der GBR noch einmal zu Spenden auf.

 

 

 

Teile das mit Freunden:Email this to someoneShare on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+