Schließung von Hörste – ein teurer „Spaß“ für ver.di?

Von den 25 Beschäftigten der Bildungsstätte Lage-Hörste werden dem Vernehmen nach 23 innerhalb der Gewerkschaft ver.di weiterbeschäftigt, weil sie unkündbar sind. Die meisten Betroffenen werden demnach in die Bezirke und ins „benachbarte“ sehr viel kleinere „Bunte Haus“ in Bielefeld-Sennestadt wechseln. Dort können übrigens aus Platz- und Kapazitätsgründen viele Veranstaltungen aus Hörste gar nicht angeboten werden. Der Interessen- und Sozialplan wird derzeit verhandelt. Dem Gewerkschaftsrat wird empfohlen, mal auf die Kosten zu achten, die durch den unsinnigen Schließungsbeschluss entstehen.

Der Verein der Freunde und Förderer war bereit, den zusätzlich geforderten Brandschutz umzusetzen, wenn ver.di ihn vorfinanziert. Wenn dann am Ende die Behörden entgegen der realistischen Annahme die Maßnahmen doch nicht abgenommen hätten, wäre der Verein bereit gewesen, in die Haftung zu treten. Ver.di habe nach Auffassung vieler ehrenamtlich engagierter Mitglieder die Investitionssumme in den Brandschutz bewusst auf über drei Millionen Euro hochgetrieben, um damit den Weiterbetrieb des Hauses zu verhindern.

Bei Besichtigungen durch Behördenvertreter anlässlich von Überlegungen, im Heinrich-Hansen-Haus Flüchtlinge unterzubringen, stellte sich heraus, dass die bisherigen neuen Investitionen in Brandschutzmaßnahmen (neue Außentreppe, noch provisorisch; Außentank für Löschwasser; Vernetzung der Rauchmelder mit der Brandmeldeanlage) für rund 800.000 Euro offenbar ausreichend waren. Die Rede war lediglich davon, einen weiteren Fluchtweg vorzusehen, was die Summe kaum weit über eine Million Euro erhöht hätte.

Als Verhöhnung der Mitglieder und der Beschäftigten wird der „generöse“ Beschluss des Gewerkschaftsrates angesehen, dem Verein knapp acht Wochen Zeit zu geben, um 1,5 Millionen Euro Spenden für den Brandschutz zu sammeln. Weil das eine Finte war, nahm das Gremium in seiner Selbstherrlichkeit die sensationell gesammelten 230.000 Euro nicht zur Kenntnis. Zwar waren den Mitgliedern des Vereins der Freunde und Förderer bewusst, dass es sich um eine Finte handelte. Sie waren jedoch nicht davon ausgegangen, dass angesichts der hohen Spendensumme eine Betriebsverlängerung bis Mitte 2016 abgelehnt würde. Dann hätte der Verein sein Konzept umsetzen und weitere Spenden sammeln können.

Inzwischen ist klar, die Schließung von Lage-Hörste stand schon lange fest. Offenbar hat der Bundesvorstand nur auf eine günstige Gelegenheit gewartet. Dass der Bundesvorstand mit seinem Verhalten Gewerkschaftsbeschäftigte so mies behandelte wie viele Unternehmen, in denen sich Betriebsräte um faire Arbeitsbedingungen und fairen Umgang abmühen, dass der Vorstand (und der Gewerkschaftsrat) das so sehr gewünschte ehrenamtliche Engagement seiner Mitglieder auf diese Weise mit Füßen trat, das war offenbar einkalkuliert und wurde in Kauf genommen. Es wird aber auch so schnell nicht vergessen werden. Dergleichen darf sich nicht wiederholen.

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6 Gedanken zu „Schließung von Hörste – ein teurer „Spaß“ für ver.di?

  1. Ja es ist ein Skandal, aber so beschlossen und ich wünsche mir eigentlich jetzt, das man damit abschließt und in die ver.di Bildung investiert. Das ist das höchste Gut in einer Gewerkschaft und da darf man nicht dran sparen. Es ist und bleibt eine Sauerei, aber Schluss jetzt ! Wir wollen nach vorne gucken und einen Neuanfang starten. Bitte akzeptiert das. Denn auch unsere Empfindlichkeiten sind begrenzt. Der Gewerkschaftsrat hat so beschlossen, wir ordnen uns unter und ver.di versucht uns unterzubringen, ich bitte um Verständnis, das jeder Kommentar, jedes abwägen „Was wäre wenn“ uns immer wieder aufwühlt. Ich bin eine einzelne Person aus der Bildungsstätte, aber mir ist ein Bedürfnis das zu sagen.

  2. Das Computer-Studio wurde inzwischen in Lage-Hörste demontiert und in das Bildungszentrum nach Gladenbach verbracht.
    Die Internetseite des Computer-Studios in Lage-Hörste wurde gelöscht.
    Auf der Internetseite des Bildungszentrums Gladenbach findet man keinen Hinweis oder gar eine Internetseite des Compter-Studios. Nach Auskunft von Gladenbach ist das auch nicht vorgesehen. Zur personellen Betreuung und den aktuellen Nutzungsgrad des Computer-Studios in Gladenbach erhielt ich keine Auskunft. Ich habe den Eindruck von Planlosigkeit, Ahnungslosigkeit, Zuständigkeitslosigkeit (vor Ort) und unzureichendes Interesse an der Nutzung dieser in ver.di einmaligen Einrichtung.

  3. Welche Kosten sind seit dem 01.01.2016 für die Sicherung des (geschlossenen, ungenutzten) Heinrich-Hansen-Hauses angefallen?
    Zahlt das der Landesbezirk, der Fachbereich oder die Bundesverwaltung (Der Vermieter (!) die ver.di-Tochter Immobilienverwaltungsgesellschaft IVG)?
    Verrechnet das die IVG?

    Das sind so einfache Fragen.
    In jedem Fall sind das unsere Mitgliedsbeiträge.

  4. Zitat: „Dem Gewerkschaftsrat wird empfohlen, mal auf die Kosten zu achten, die durch den unsinnigen Schließungsbeschluss entstehen.“

    Hat der Gewerkschaftsrat sich auf seinen Sitzungen über die inzwischen aufgelaufenen Kosten berichten lassen?
    Fragt überhaupt noch ein Mitglied des Gewerkschaftsrates nach den Folgen der Entscheidung?

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