Ver.di: Vom Kampfstier zum Mastochsen

Als persönliche Konsequenz aus dem Vorgehen von ver.di-Bundesvorstand und ver.di-Gewerkschaftsrat in Bezug auf die Schließung der Bildungsstätte Lage-Hörste entzieht Hans Dölzer, Vorstandsmitglied im Fachbereich Medien, Kunst und Industrie in ver.di Rhein-Neckar den KollegInnen Werneke, Bsirske, Bösch und dem gesamten Bundesvorstand sein Vertrauen (man kann es verstehen). „Er betrachtet diesen Vorstand als Gegner und nicht länger als Kolleginnen und Kollegen“, schreibt er in seiner hier anhängenden „Intrigenchronik“.  In der Konsequenz aus den Vorgängen um die Schließung des Heinrich-Hansen-Hauses will er sich nach fast 40jähriger Mitgliedschaft für die erneute Konstituierung einer unabhängigen Mediengewerkschaft in den Traditionen von IG Druck und Papier und IG Medien einsetzen. Er sieht auch die (schlechtere) Möglichkeit, sich anderen Gewerkschaften wie GEW, IG Metall oder NGG anzuschließen.

Hans Dölzers Gedanken werfen Fragen nach der Zukunft des Fachbereichs 8 in ver.di auf, ein Fachbereich, der als IG Druck und Papier mit einer über 150 Jahre alten Geschichte zu den herausragenden Vorkämpfern für soziale Gerechtigkeit, Bildung, Solidarität und Gleichberechtigung gehört. Ein Fachbereich, von dem offensichtlich andere Fachbereiche etwa hinsichtlich von Streiktaktiken und Umgang mit Mitgliedern eine Menge lernen könnten, wenn sie es denn wollten. Ein Fachbereich, dessen Tradition, Kampfkraft und Erfahrung sich andere Fachbereiche zu Nutze machen sollten. Vor allem, wenn man an den Poststreik, den Kita-Ausstand und den Streik bei Amazon denkt.

Man muss nicht in jedem Punkt Hans‘ Einschätzung teilen, aus der neben kühler Sachlichkeit auch Zorn spricht. Aber seine Gedanken sind es unbedingt wert, gelesen und kommentiert zu werden. Bundesvorstand und Gewerkschaftsrat werden zwar pauschal kritisiert, erfreulicherweise sind sie aber nicht  einer Meinung (im Falle Hörste). Interessant ist Hans Dölzers Formulierung, dass aus dem ehemals vermeintlichen „Kampfstier ver.di“ ein Mastochse geworden sei.

Die Intrigenchronik

Anmerkung: Auf Seite 2 des pdf, 6. Absatz, muss es heißen „Frank Werneke“ (nicht: Frank Bsirske).

 

 

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Ein Gedanke zu „Ver.di: Vom Kampfstier zum Mastochsen

  1. Und es lief genau so verlogen ab wie die Schließung der DGB Bildungsstätte Hamburg Basel. Auch hier wurde den Menschen ein Stück ihre Lebens geraubt.
    Wenn sie denn mit offenen Karten spielen würden…aber nur gefälschte Zahlen und sachlich falsche Berechnungen und zahllose Unwahrheiten haben das Ende besiegelt. Auch hier war der Kampf der Mitarbeiter und Unterstützer zu Beginn bereits verloren.
    Tja ist man zu tief im Gewerkschaftlichen Kreisen unterwegs, so muss man sich immer mehr für diese „Selbstversorger“ schämen…

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